80 Days

Wie in Jules Vernes Roman startet ihr bei „80 Days“ ein Wettrennen um die ganze Welt. Mit dem Schiff, der Eisenbahn oder im Ballon geht es in diesem Familienspiel (Piatnik) von Stadt zu Stadt. Wir haben das Abenteuer gewagt und berichten, ob sich die Reise lohnt.

80 Days, Familienspiel von Piatnik, Rezension / Test
Spielplan von 80 Days: Gemeinsam, aber gegeneinander die Welt bereisen.

Jules Vernes Geschichten sind durchaus brettspieltauglich: Nach „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ haben wir wenige Monate später bereits die zweite Roman-Adaption des französischen Schriftstellers auf dem Spieltisch. In „80 Days“ begeben sich zwei bis vier Spieler:innen auf eine abenteuerliche Reise einmal um die Welt.

Wobei „um die Welt“ nicht ganz korrekt ist. Die Erde ist in „80 Days“ ziemlich flach und die Metropole London gleich zweimal auf dem Spielfeld verzeichnet: ganz im Westen (als Startpunkt) und im Osten (das Ziel). Spielbedingte Zugeständnisse, die wir schmunzelnd hinnehmen.

Der Spielablauf

Mit ein paar Münzen in der Tasche und einem leeren Koffer unterm Arm beginnt eure Reise in der britischen Hauptstadt. Während der fünf Spielperioden bewegt ihr die eigene Figur von Ort zu Ort. Welche Route ihr dabei wählt, ist eure Entscheidung, hängt aber unter anderem von den Kosten des nächsten Reiseabschnitts ab. Die Eisenbahnfahrt nach Konstantinopel ist mit einer Münze spottbillig. Aber nur für die erste Person, die dieses Fortbewegungsmittel nutzt. Für jeden nachfolgenden Spieler, der in dieser Runde mit der Eisenbahn reist (egal, auf welcher Strecke), verteuert sich die Fahrt um je eine Münze.

Reisen ist nur eine Aktionsmöglichkeit, wenn ihr an der Reihe seid. Alle Städte zeigen entweder ein blaues, ein rotes oder ein zweifarbiges Symbol. Je nachdem, wo ihr gerade weilt, habt ihr Zugang zu einem der Märkte. Dort beschafft ihr nützliche Utensilien wie Mäntel, Regenschirme, Hüte oder Schuhe. Selbst einen Revolver gibt’s gegen Bezahlung – und wie bei den Reisekosten heißt es auch hier: Wer zuerst kommt, schnappt sich die Waren günstiger.

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Alle eingekauften Gegenstände müssen in euren kleinen Koffer passen, sie helfen euch beim Reisen (manche Strecken kosten Münzen und ihr benötigt bestimmte Gegenstände) oder dem Bestehen von Abenteuern. Spezielle Abenteuerkarten, die ihr nach und nach auf die Hand zieht, belohnen euch mit Siegpunkten, sobald ihr sie einlöst. Dafür ist meist eine Kombination mehrerer Gegenstände vonnöten, die ihr aus eurem Koffer bezahlen müsst.

Typisch bei langen Reisen und ausgiebigen Shoppingtouren: Irgendwann im Laufe einer Periode geht euch das Geld aus und ihr könnt bei den Aktionen nur noch passen. Sobald das alle Beteiligten getan haben, endet die aktuelle Runde. Münzen der Reise- und Marktkosten, die auf dem Spielplan liegen, werden nun entfernt. Eine Zeitungskarte kündigt die nächste Spielrunde und frisches Geld an, das sich alle Spielenden aus der Auslage nehmen dürfen.

Und wer gewinnt die Weltreise? Die Person, die nach fünf Runden und mindestens vier bestandenen Abenteuern die meisten Siegpunkte erzielt hat. Allerdings kann es passieren, dass es nicht alle Weltreisenden bis nach London (Zielpunkt im Osten des Spielplans) schaffen. Das kostet Punktabzüge, und zwar für jede Stadt, die zwischen euch und London liegt!

80 Days: Fazit und Wertung

80 Days ist ein schön gestaltetes, sehr interaktives Familienspiel, das uns zu dritt oder viert am meisten Spaß macht. Sobald mehrere Personen um die verfügbaren Handlungsoptionen konkurrieren, ist kluges Taktieren unverzichtbar. Reisen? Oder erstmal einkaufen gehen? Was machen die anderen? In welchem Markt verteuern sich gerade die Produkte – und warum fahren plötzlich alle mit der Eisenbahn? Kann ich mir die nächste Zugfahrt in dieser Runde überhaupt leisten?

Wer nicht aufpasst, kommt gefühlt überall zu spät, während sich die eigene Reisekasse merklich leert. In jeder der fünf Spielperioden erhaltet ihr neue Devisen, aber besonders üppig fällt das Sponsoring nicht aus. 10 bis 15 Münzen lassen keine großen Sprünge zu – im wahrsten Sinne. Die Spieler:innen hangeln sich von Ort zu Ort, manchmal sind Umwege unausweichlich (Schifffahrt zu teuer & ich habe den Pflichtgegenstand für diesen Reiseabschnitt nicht) und der Zielort London rückt in immer weitere Ferne.

  • Aufregende Abenteuer bestehen und dabei gleichzeitig aufs Tempo drücken – das Familienspiel „80 Days“ hat es ganz schön in sich. Passend zum 150-jährigen Erscheinen des Abenteuerromans „Reise um die Erde in 80 Tagen“ von Jules Verne (1872/73) präsentiert Autor Emanuele Briano zusammen mit Piatnik ein faszinierendes und herausforderndes Wettrennen rund um den Erdball für zwei bis vier Weltreisende ab zehn Jahren.
  • Für jede Menge Abwechslung sorgt der doppelseitige Spielplan mit immer neuen Herausforderungen auch beim wiederholten Spielen. Für einen einfachen Spielverlauf gibt es eine spezielle Autorenregel; wohingegen besonders versierte Weltreisende das Modul „Die Assistenten“ für tatkräftige Unterstüt-zung und zusätzliche Aktionsmöglichkeiten nutzen können.
  • Unterwegs warten zahlreiche Abenteuer, die bewältigt werden wollen, um das persönliche Reisetage-buch zu erweitern und wertvolle Siegpunkte für die Schlusswertung zu sammeln. Rund 50 Minuten dauert die rasante Weltreise, bis nach mindestens vier bestandenen Abenteuern in den Zielort London eingereist werden darf.

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80 Days ist kein einfacher Selbstläufer. Wer sich zu lange mit den Abenteuerkarten aufhält („aber die geben doch so viele Siegpunkte!“) und das Reisen vernachlässigt, wird es am Ende nicht in die britische Hauptstadt schaffen. Wir hatten bereits Partien, in denen wir zum Schluss unterwegs versackten. Je fünf Minuspunkte pro Stadt zwischen mir und London – das fällt richtig ins Gewicht.

Dennoch ist 80 Days ein unterhaltsames, flottes Abenteuerspiel für Familien. Die spielerisch umgesetzte Literaturvorlage gibt ein stimmiges Thema her und das Spielfeld bietet fast schon nostalgischen Charme. Bis in die 2000er-Jahre hinein war meist ein Brett Schauplatz der gemeinsam erlebten Brettspiel-Action, bevor die eher solitären Tableaus mit oder ohne gemeinsamen Märkten populär wurden.

Bei 80 Days spielt ihr ein klassisches Brettspiel, das auf der Rückseite sogar eine weitere Weltkarte mit folgender Variante parat hat: Die Extrakosten für manche Streckenabschnitte legt ihr zufällig mit Pappmarkern aus. Und mit dabei sind Passkärtchen, die man sich nach dem Passen nehmen und anwenden darf. Varianz lässt sich auch über das Assistenten-Modul erzielen: Diese kleinen Charakterkarten geben jeder Mitspieler:in zusätzliche Effekte und Aktionsmöglichkeiten.


80 Days – auf einen Blick | 8.3

Klassisches Brettspiel für Familien, bei dem vieles passt: Thema, Regeln und variabler Spielablauf geben bei „80 Days“ ein stimmiges Ganzes!

Autor: Emanuele Briano, Illustration: Felix Wermke | Piatnik | 2022 | 2 bis 4 Personen | ab 10 Jahren | bis 60 Minuten

Pro

  • hoher Interaktionsgrad zwischen den Spielenden
  • taktisches Vorgehen nötig, um das Reiseziel zu erreichen
  • viel Varianz (zweites Spielfeld, Zusatzregeln, Charakterkarten etc.)

Contra

  • verhältnismäßig hohe Punktabzüge, wenn man London am Ende nicht erreicht

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 1 bis 10 Punkte. Spiele mit 1 bis 3 Punkten sind schlecht, mit 4 bis 6 Punkten durchschnittlich. Ab 7 Punkten beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten Wertungen ab 9 Punkten. Für diese Besprechung stand uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Verlags zur Verfügung. Auf den Inhalt unseres Tests hatte dies keinen Einfluss.


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