Port Royal Big Box

★★★★★★★★☆☆

Jetzt also auch Port Royal Big Box: Nach Hansa Teutonica, Istanbul oder Munchkin Quest legt Pegasus auch Alexander Pfisters Piratenabenteuer als Gesamt-Edition auf.

Port Royal: Push your luck-Kartenspiel mit Karibik-Flair.

Vor acht Jahren hatte Pfister sein einfaches Push-your-Luck-Kartenspiel entwickelt. In der Grundversion lief Port Royal ab 2014 erfolgreich genug, um im Laufe der Zeit zwei Erweiterungen und eine Reiseversion folgen zu lassen. Und nun ist alles in einer Big Box vereint. Wobei: Ganz so big ist der Karton mit rund 300 Spielkarten auch wieder nicht.

Was ist in der Port Royal Big Box enthalten?

Weil die Spiele bzw. Erweiterungen seit mehreren Jahren auf dem Markt sind, beschränken wir uns bei der inhaltlichen Vorstellung auf die wesentlichen Abläufe.


Port Royal Big Box – auf einen Blick

Alexander Pfister | Pegasus | 2022 | ab 8 Jahren | 1 – 5 Personen | bis 45 Minuten

Alle Erweiterungen in einem Karton: Wir sind mit der Port Royal Big Box in See gestochen. Kooperativ oder gegeneinander: Alexander Pfisters Kartenspiel mit Glücksfaktor lässt uns alle Möglichkeiten offen.


Das Grundspiel Port Royal

Die jamaikanische Hafenstadt Port Royal im 17. Jahrhundert: Als Spielerinnen und Spieler treiben wir Handel, gehen auf Expeditionen und versuchen, eine schlagkräftige Crew anzuheuern. Wer als Erstes zwölf Siegpunkte sammelt, gewinnt. Dies alles geschieht ausschließlich anhand der 120 Karten im Spiel. Auf der Rückseite zeigen sie jeweils eine Goldmünze, die in Port Royal als Währung dient. Auf den Vorderseiten entdecken wir Schiffe, Expeditionsaufrufe und diverse Personen aus dem Seefahrer- und Hafenmilieu.

Die Big Box arrangiert die Karten sinnvoll nach der jeweiligen Erweiterung.

In jeder Runde deckt der aktive Spieler Karten vom Nachziehstapel auf, darf jedoch nicht überreizen. Falls ein zweites Schiff in derselben Farbe erscheint, ist die gesamte Kartenauslage verloren (es sei denn, man besitzt bereits Matrosen- oder Piratenkarten und kann das Schiff abwehren). Wer rechtzeitig aufhört, hat nun die Auswahl: eine Schiffskarte nehmen und dafür Münzen erhalten oder eine Personenkarte nehmen und Münzen dafür abgeben. Anschließend sind die anderen – passiven – Spielerinnen an der Reihe. Falls sie Karten aus der verbleibenden Auslage wählen oder Geld erhalten, müssen sie jedoch stets eine Münze an den aktiven Spieler abtreten.


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Die Personenkarten bringen uns Siegpunkte sowie dauerhafte Vorteile im weiteren Spielverlauf, zum Beispiel zusätzliche Einkünfte, günstigere Einkäufe usw. Außerdem kann man sie gegen Expeditionskarten eintauschen, sobald man deren Bedingungen erfüllt hat – was weitere Siegpunkte bringt.

Haben alle Spieler eine Karte genommen oder gepasst, leeren wir die Hafenauslage komplett und die nächste Spielerin ist an der Reihe. Sobald ein Spieler zwölf Siegpunkte gesammelt hat, wird die letzte Runde noch zu Ende gespielt, dann steht ein:e Sieger:in fest.


Erweiterung „Port Royal: Ein Auftrag geht noch“

Diese Auftragskarten können wir im Spiel erfüllen und sacken dafür weitere Siegpunkte – oder Geld – ein.

Bis zu fünf Seeleute spielen bei dieser Erweiterung mit – entweder gegeneinander oder kooperativ gegen das Spiel. Der Push-Your-Luck-Mechanismus ist natürlich mit an Bord, weil wir in gewohnter Weise Karten aufdecken, Münzen erhalten oder Personen anheuern. Neue Akteure wie Kanoniere, Kontoristen oder Vizeadmiräle sorgen für Abwechslung. Doch der eigentliche Clou sind die großformatigen Auftragskarten: Sie können von Spielerinnen erfüllt werden und bringen Siegpunkte oder Münzen (wer dabei schneller ist, kriegt mehr Geld).

In der kompetitiven Variante ist bei zwölf Punkten Schluss, so dass die Aufträge das Spiel möglicherweise verkürzen. Anders die kooperative Version: Die Seeleute am Tisch ziehen nun an einem Strang und müssen eine ganze Reihe von Jobs gemeinsam abarbeiten. Das bringt eine völlig neue Sichtweise ins Spiel, denn wir sollten beim Handeln und Heuern gut aufeinander abgestimmt agieren. Die Zeitbegrenzung sorgt für den nötigen Druck. Auch sie löst Autor Alexander Pfister gekonnt über die Spielkarten: Je nach Setting bildet man aus mindestens 13 Karten einen Zeitstapel. Als aktiver Spieler muss ich nun als erste Karte meines Zuges immer die oberste Karte vom Zeitstapel nehmen.

Nur wenn es uns als Team gelingt, sämtliche Aufträge zu erfüllen, bevor der Zeitstapel aufgebraucht ist, gewinnen wir die Partie.


Port Royal Big Box-Erweiterung „Das Abenteuer beginnt“

Kampagne spielen: In fünf Kapiteln geben Geschichtenkarten einen Einblick in das abenteuerliche Karibikleben.

„Das Abenteuer beginnt“ ist die zweite Erweiterung, die in der Big Box enthalten ist. Sie ergänzt das Kartenspiel um einen Kampagnenmodus, der ebenfalls kompetitiv oder kooperativ gespielt werden kann. In fünf Kapiteln geben rund 50 neue Spiel- und 55 Geschichtenkarten 1 bis 4 Personen einen spannenden Einblick in das abenteuerliche Karibikleben.

Neu: Jede Spielerin erhält zu Beginn eine Charakterkarte, darauf sieht man eine Tür und drei Fenster, die mit farbigen Holzwürfeln abgedeckt werden. Sie können im Verlauf der Partie freigeschaltet werden, dafür gibt es zum Beispiel eine Sondereigenschaft, für die man sonst eine passende Person anheuern müsste.

Der Spielablauf ist grundsätzlich bekannt, jedoch lesen wir zunächst die erste Geschichtenkarte vor und handeln sie ab. Der Stapel mit den Geschichtenkarten liegt in vorgegebener Reihenfolge bereit und wird nicht gemischt. Vor Beginn jedes Spielzuges, der nach den bekannten Regeln von Port Royal verläuft, decken die Spieler zudem Karten von einem Ereignisstapel auf. Diese Karten verlangen das Sammeln bestimmter Crewmitglieder, den Handel mit bestimmten Schiffen oder sie geben einen Bonus für den Spielzug. Sammelaufträge haben jedoch ein Zeitlimit. Ist die Zeit um, werden neue Karten zum Ereignisstapel hinzufügt. Welche Karten das sind, hängt davon ab, ob die Spieler den Auftrag erfüllt haben oder nicht. Auch das Ende eines Szenarios hängt von den erfüllten Aufträgen ab. So lohnt es sich, die Kampagne auch mehrfach durchzuspielen, um alle Karten zu erleben.


Port Royal unterwegs

„Port Royal unterwegs“ ist die schnelle Einstiegsvariante für zwei bis vier Spielerinnen. Der Spielablauf des Grundspiels bleibt identisch, wird an einigen Stellen jedoch abgespeckt. So gibt es keine Expeditionskarten, Steuererhöhungen greifen hier schon bei neun und nicht erst ab zwölf Münzen und das Spiel endet, sobald jemand acht Siegpunkte erreicht hat.

Diese Erweiterung in Port Royal Big Box kommt mit 60 Karten aus. Neben Schiffen, Matrosen und Piraten sind zwei neue Personen enthalten: Großhändler und Passagiere. Wobei die Passagiere keine Fertigkeiten besitzen, sondern lediglich Siegpunkte bescheren.

Wer bereits mit Port Royal vertraut ist, wird die Unterwegs-Variante nicht sehr herausfordernd finden. Hier macht es Sinn, die Passagiere, Großhändler und zehn der Schiffe einfach ins Grundspiel einzumischen.


Port Royal Big Box: Fazit und Wertung

Die Bewertung einer Big Box ist und bleibt ein Sonderfall unter den Spielerezensionen. Sie nimmt zum einen die enthaltenen Einzelspiele in den Blick (die in der Regel schon seit längerem auf dem Markt sind) und beurteilt zum anderen das Arrangement der Inhalte als neues Produkt.

Beginnen wir bei den Spielen: Port Royal ist auch nach acht Jahren noch ein frisches und einsteigerfreundliches Kartenspiel von Alexander Pfister (der mit teils deutlich komplexeren Spielen von sich reden macht). Da alle reihum ohne größere Wartezeiten zum Zug kommen, ist das Spiel besonders für größere Gruppen mit vier oder fünf Personen empfehlenswert. Hier macht das Gezanke um die Expeditionskarten Spaß und wir müssen noch mehr auf hohe Einkünfte zocken. Im Umkehrschluss glauben wir, dass die Spielfreude zu zweit deutlich abfällt. Personenkarten wie Witzbolde oder Gouverneure sind teuer und sorgen in den Zügen der Mitspielenden für Vorteile. Je weniger am Tisch sitzen, desto unattraktiver werden solche Karten.

Der Glücksfaktor in Port Royal ist hoch, dennoch ist taktisches Verhalten möglich und auch nötig, um zu gewinnen. Mit den Erweiterungen erhält das Spiel zusätzlich einen Koop- und einen Solomodus sowie eine wiederspielbare Kampagne aus mehreren Kapiteln. Das ist kein schmückendes Beiwerk des Autors, sondern ergänzt ein funktionierendes Spielsystem und sorgt im Koop-Modus sogar für ein neues Spielgefühl.

Plötzlich gibt es am Tisch Diskussionen über das richtige Maß an Risiko und wir entscheiden, welche Karte aus der Auslage am besten an welchen Spieler gehen sollte. Auch hier gilt, dass Push your luck nicht immer die gewünschten Karten nach oben spült. Aber immerhin leiden wir unter unserem Pech gemeinsam.

Und nun zur Big Box. Wie eingangs beschrieben, ist sie gar nicht so groß – in der Grundfläche kleiner als ein DIN A4-Blatt und sieben Zentimeter hoch, also handlich und bestens geeignet fürs Spieleregal. Das Cover und sämtliche Karten hat Fantasmagoria Creative basierend auf der ursprünglichen Gestaltung von Klemens Franz neu gestaltet; das ist alles sehr ansprechend und durch die verständlichen Symbole anschaulich gelungen.

Wer das Grundspiel besitzt und neugierig auf die eine oder andere Erweiterung ist, dürfte mit dem Zukauf eines Einzelspiels auskommen. Die Port Royal Big Box kommt wohl für Kartenspielfans in Frage, die dem Ruf der Karibik bislang noch nicht gefolgt sind oder das Spiel erst einmal ausprobieren konnten. Für einen fairen Preis gibt es hier ein variables Spiel als Set in einer schönen Schachtel. Mit der Möglichkeit, einige der Karten nach Wunsch mit ins Grundspiel einzumischen und jederzeit zwischen Duell und Kooperation zu entscheiden.


Hinweis: Für diese Besprechung stand uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Verlags zur Verfügung. Auf den Inhalt unseres Tests hatte dies keinen Einfluss.


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