Miyabi

Im Legespiel Miyabi (Haba) sind taktisches Können und Sinn für Struktur gefragt, um einen japanischen Garten anzulegen. Nur wer Steine, Büsche und Bäume geschickt platziert, wird der beste Gartenbaumeister der Saison.

Miyabi Spiel
Miyabi, das neue Spiel von Azul-Autor Michael Kiesling.

Michael Kiesling, Autor des preisgekrönten Spiel des Jahres 2018 Azul, fordert eure architektonischen Künste heraus. Und das sogar dreidimensional, weil ihr Plättchen in mehreren Ebenen verbauen dürft. Der Platz dafür ist begrenzt, denn Kiesling verlegt das Spielgeschehen auf ein 6 x 6 Felder kleines Tableau.

Solche Raster sind bei Spieledesignern schwer angesagt. Aktuelle Legespiele wie Tiny Towns, Little Town oder Bloom Town setzen auf eine vorgegebene Spielfläche. Solange dieses Konzept zum Spielablauf und den taktischen Möglichkeiten passt, leidet die Spielfreude nicht darunter. Im Gegenteil: Die Verknappung fordert heraus und ist Ansporn, eine möglichst perfekte Partie zu schaffen.


Miyabi – auf einen Blick

Michael Kiesling | Haba | 2019 | 2-4 Spieler | 30 Min. | ab 8 Jahren

Miyabi ist ein gut durchdachtes und anspruchsvolles Legespiel, bei dem zwei bis vier Spieler fernöstliche Gärten bauen. Der Clou: Es geht über mehrere Ebenen in die Höhe.

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Miyabi: Der Spielablauf

Zwei bis vier Mitspieler errichten auf ihren Tableaus einen fernöstlichen Garten. Für jede Zeile ist nur eine ganz bestimmte Objektart vorgesehen. Und pro Bauphase dürft ihr jede senkrechte Spalte nur einmal mit einem Objekt belegen.

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Ein Beispiel, um es verständlicher zu machen: In die erste Zeile des Bauplans gehören ausschließlich Ahornbäume. Platziert ihr ins linke Feld der ersten Zeile einen Ahornbaum, ist die entsprechende senkrechte Spalte für den Rest dieser Bauphase tabu. Natürlich könnt ihr noch in die anderen Zeilen passende Objekte legen – aber immer nur eines pro Spalte. Zu besseren Übersichtlichkeit habt ihr ein Set von sechs Laternen, die ihr über eine Spalte stellt, sobald ihr diese in der aktuellen Runde bebaut habt.

Die Gartenteile

Wie kommt ihr überhaupt an die Objekte für euren Garten? Ahornbäume, Pagoden, Fischteiche, Azaleensträucher, Buchsbäume und Steine sind auf flachen Plättchen abgebildet, die zu Beginn jeder Bauphase offen in die Tischmitte gelegt werden. Es gibt 1er, 2er, 3er-Geraden sowie 3er-Winkel. Wer an der Reihe ist, sucht sich ein beliebiges Gartenteil aus und legt es passend auf den eigenen Spielplan. Die Bauphase endet, sobald alle Plättchen verbaut wurden.

Der Clou ist das Bauen in die Höhe: Gartenteile könnt ihr auch auf andere bereits platzierte Gartenteile legen – aber nur dann, wenn sie mit ihrer gesamten Fläche vollständig aufliegen. Dabei dürft ihr Objekte auf Gartenteilen überdecken. Klingt einfacher als es ist, denn nur mit einer guten Planung und sicherem Fundament werdet ihr im Laufe des Spiels ein paar Ebenen nach oben kommen.

Ach ja, Punkte gibt es für die Gartenarbeit auch. Sobald ihr ein Plättchen gelegt habt, multipliziert ihr die Anzahl der Objekte auf dem Gartenteil mit der Ebene, in der es nun liegt. Auch hier wieder ein einfaches Beispiel: Ihr legt ein Dreierplättchen mit drei Steinen in die zweite Ebene. Macht 3 x 2 = 6 Punkte, die ihr sofort auf dem Punkteplan voranschreitet.

Das Spielende

Das Spiel endet nach der letzten Bauphase (z.B. bei vier Spielern nach vier Bauphasen). Für die Abschlusswertung vergebt ihr Punkte für die Mehrheiten der Objekte in den einzelnen Zeilen. Dazu wird Zeile für Zeile gewertet: Der Spieler mit den meisten sichtbaren Objekten in einer Zeile erhält die höhere der beiden links am Rand angegebenen Punktzahlen. Der Spieler mit den zweitmeisten sichtbaren Objekten bekommt die kleinere Punktzahl, die er auf der Punktetafel weitergeht.

Miyabi: Fazit und Meinung

Miyabi ist ein gut durchdachtes und anspruchsvolles Legespiel. Laut Haba ab acht Jahren geeignet, würden wir das Einstiegsalter eher auf zehn heraufsetzen. Gerade das Bauen in die Höhe entpuppt sich als Herausforderung, denn die Laternen-Regel in den Spalten verhindert, dass man zügig mehrere Ebenen überbauen kann. Und sollte man das überhaupt tun und dadurch unter Umständen sichtbare Objekte verdecken?

Es ist recht komplex, aktuell mögliche Punkte und die Wertungen am Spielende gegeneinander abzuwägen. Und die Spielfelder der Mitspieler sollte man auch jederzeit im Blick behalten. Gerade bei den Mehrheitswertungen für jede Spalte lassen sich später hohe Punktzahlen erzielen. Da macht es Sinn, dem linken Tischnachbarn das begehrte Gartenteil mit drei Ahornbäumen vor der Nase wegzuschnappen.

Erweiterungen sind gleich dabei

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Was uns an Miyabi gefallen hat, sind die Erweiterungen, die quasi schon im Hauptspiel enthalten sind. Bis zu fünf dieser Erweiterungskarten könnt ihr vor Spielbeginn bereitlegen und somit bestimmte Ziele für alle Spieler festlegen. Beim „bunten Garten“ wertet jeder Spieler zusätzlich am Spielende seine größte zusammenhängende Gruppe aus direkt benachbarten Objekten. Oder bei der Erweiterung „7!“ gibt es für jede Zeile und für jede Spalte, in der sich am Ende exakt sieben Objekte befinden, sieben Extrapunkte. Schöne Idee, mit der aus Miyabi jederzeit ein komplexes Familienspiel+ wird.

Miyabi ist ein rein abstraktes Legespiel, die etwas aufgesetzte Story um japanische Gärten spielt keine wirkliche Rolle. Michael Kieslings neuem Spiel merkt man die entfernte Verwandtschaft zu Azul durchaus an. Der Clou mit dem Bau in Ebenen gibt dem ganzen aber einen frischen Spin und Lust auf viele Partien.

Einziges Manko: Die Papptableaus, auf denen ihr eure Gärten baut, sind sehr dünn und haben keine Beschichtung. Wir wundern uns, warum sie nicht in der gleichen Qualität produziert wurden wie die Punktetafel.


Hinweis: Für diese Besprechung stand uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Verlags zur Verfügung. Auf den Inhalt unseres Tests hatte dies keinen Einfluss.

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