First Rat

Lauf- und Sammelspiel auf Kennerniveau: First Rat überrascht und bringt frischen Wind in ein verstaubtes Genre. Wir haben das Wettrennen der Rattenbande zum Käsemond ausführlich getestet.

Das knallbunte, mit putzigen Holzfiguren ausgestattete First Rat ist komplexer, als es klingt.

Zahlreiche Ratten leben auf einem Schrottplatz und träumen davon, eine Rakete zu bauen, die sie zum Mond bringt. Wer es noch nicht wusste: Luna leuchtet gelb, weil sie komplett aus leckerem Käse besteht! Alles, was die Ratten zum Raketenbau benötigen, müsste sich hier irgendwo auftreiben lassen.

First Rat: Der Spielablauf

Jede Spielerin übernimmt einen Rattenclan und führt zwei bis vier Nager vom Rattenbau bis zum Raketenstartplatz. 27 farbige Felder liegen dazwischen. Hier und da dienen Tunnel als Abkürzung. Auf jedem Feld sammeln sie nützliches Material wie Taschenrechner, Flaschen, Backpulver oder Dosen ein, um daraus Cockpits, Frachträume und den Raketenantrieb zu bauen. Auch Käsehäppchen liegen herum: Sie sind die Währung in First Rat.

Laufen, sammeln, bauen: Warum das knallbunte, mit putzigen Holzfiguren ausgestattete First Rat komplexer ist, als es klingt, hat drei Gründe:

1. Ratten fortbewegen

Es gibt keine Würfel und keine auszuspielenden Karten, die meinen nächsten Spielzug beeinflussen. Allein die Position der Ratten auf dem Spielplan entscheidet über meine Optionen. Entweder bewege ich eine meiner Ratten ein bis fünf Felder voran oder zwei bis vier Ratten je ein bis drei Felder. Aber: Alle bewegten Nager müssen auf unterschiedlichen Feldern derselben Farbe landen. So lassen sich mit etwas Übung und strategischem Geschick mehrere Spielzüge im Voraus planen, um bestimmte Materialien erreichen oder Aktionen durchführen zu können.

2. Spezialfelder nutzen

Auf dem Weg zum Raketenstartplatz begegne ich drei anderen Tieren, die wertvolle Gegenstände gegen Cash (also Käse) verhökern. Rucksäcke, die das Einsammeln zusätzlicher Baustoffe ermöglichen. Oder Kronkorken, die Siegpunkte bringen, falls ich am Spielende bestimmte Raketenteile fertigstellen konnte.

Während ich diese Optionen im Auge behalte, sollte ich mich auch um die Lichterkette kümmern, die meine Suche nach Gegenständen erleichtert. Auf blauen Feldern sammele ich Glühbirnen ein und verlängere die Lichterkette, die sich entlang des gesamten Weges spannt. Vorteil: Alle Ratten, die künftig auf beleuchteten Feldern Beute machen, sacken immer eine zusätzliche Ressource als Extra ein.

3. Variabel punkten

Zehn Wertungssteine erhält jeder Spieler. Damit lassen sich in unterschiedlichen Bereichen Siegpunkte erzielen. Überall gilt: Wer zuerst kommt, kassiert mehr. Durch das Eintauschen von Schrottplatzmaterial baue ich Raketenteile und darf dafür jedes Mal einen Wertungsstein setzen. Ich kann Käse spenden – für je zehn Stücke erhalte ich Siegpunkte. Außerdem gibt es Nebenschauplätze wie den Rattenbau-Rundweg: Je nach Anzahl der aufgelesenen Apfelkitschen bewege ich mich dort im Uhrzeigersinn durch die Gänge und finde Belohnungen (zum Beispiel eine weitere Ratte).

Eine Partie First Rat endet, sobald die erste Spielerin ihre maximal vier Ratten bis zur Rakete gebracht hat – oder wenn es jemandem gelungen ist, den achten Wertungsstein zu platzieren. Die laufende Runde wird noch zu Ende gespielt, dann folgt die Abrechnung. Wer die meisten Siegpunkte sammeln konnte, gewinnt.

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First Rat: Fazit und Wertung

Ein Lauf- und Sammelspiel auf Kennerniveau? Damit haben wir im Jahr 2022 nicht mehr gerechnet. Pegasus‚ verwegener Plan, mit dieser in die Jahre gekommenen Spielmechanik zu punkten, geht voll auf. Denn die Bewegungen und Möglichkeiten zu punkten, erinnern nur noch vage an die Oldies aus den 1980er Jahren.

Typische Glückselemente wie Würfel oder aufzudeckende Karten, die unsere Handlungen beeinflussten, haben Gabriele Ausiello und Virginio Gigli getilgt. Sie spendierten ihrem First Rat stattdessen eine frische Laufmechanik: Alle Ratten, die ich in einem Spielzug bewege, müssen auf verschiedenen Felder derselben Farbe landen. Stehen auf solchen Feldern bereits Nager eines anderen Spielers, ist ein Stückchen Käse als Entschädigung fällig. Was man im Spielzug erreicht und welche Optionen sich im folgenden Durchgang ergeben – alles hängt ab vom eigenen strategischen Weitblick.

Bewegungen führen zu Ressourcen führen zu Siegpunkten. Theoretisch klingt das einfach, praktisch bleibt es eine Herausforderung, die auch geübte Spieler:innen erst nach mehreren Partien überblicken. Allmählich entwickelt man ein Gespür, wodurch man zügig an viele Siegpunkte kommt und hält die Figuren und Ressourcen der Tischnachbarn im Auge. Ist es sinnvoll, jetzt weitere Ratten zu rekrutieren? Sollte man vorher auf einem Shop-Feld landen und braucht vor allem Käse, um dort bezahlen zu können? Der Reiz, es in weiteren Partien anders anzugehen, war in unseren Spielrunden stärker als der Frust über vergebene Chancen.

Mit dem Optimieren sollte man es nicht übertreiben

First Rat ist bunt, dynamisch und mit seinen mehr als 330 Token, Plättchen und Steinen keineswegs überfrachtet. Die Anleitung lässt keine Fragen offen, alles fügt sich zu einem stimmigen Gesamteindruck zusammen. Was uns nicht so gut gefällt: Die beigelegte Plastiktütchen-Orgie ist ein Ärgernis; viele Verlage reduzieren inzwischen den Plastikanteil in der Spielschachtel und überzeugen mit besseren Sortierhilfen.

Wir empfehlen First Rat ab circa zehn Jahren für spielerfahrene Familienrunden. Am besten funktioniert das Spiel, wenn die Beteiligten das Optimieren nicht übertreiben. Natürlich kann ich vor jedem Zug fünf Minuten überlegen und alles im Voraus planen. Die Reise zum Käsemond würde so aber zu einem sehr zähen Trip für alle.


First Rat – auf einen Blick

Bunte Schrottplatz-Hatz für erfahrene Familienrunden: First Rat haucht einem verstaubten Genre neues Leben ein und überzeugt mit viel Interaktion und variablem Spielverlauf.

Gabriele Ausiello, Virginio Gigli | Pegasus Spiele | 2022 | 1 bis 5 Personen | ab 10 Jahren | 60 bis 90 Minuten

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).


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