Fika

Ein leckeres Stück Kuchen, ein Heißgetränk – mehr braucht es für die schwedische „Fika“ nicht. Zur traditionellen Kaffeepause passt auch das gleichnamige Zwei-Personen-Spiel von Board Game Circus – auch wenn es recht konfrontativ zur Sache geht.

Fika – neues Kartenspiel von Board Game Circus im Test
Fika – ein neues Kartenspiel von Board Game Circus im Test

In Fika betreiben zwei Spieler:innen jeweils ein eigenes Café und versuchen, mehr Münzen zu verdienen als ihr Gegenüber. Sie müssen ihre Karten clever ausspielen, die gegnerische Auslage manipulieren und als Erstes zwei Runden gewinnen.

Fika – der Spielaufbau:

Gerade einmal 18 Cafékarten sind in Fika enthalten (in drei Farben jeweils mit Zahlen von eins bis sechs). Neben einer Farbe und einer Zahl besitzen die Karten noch Effekte und Ziele. Die Effekte sind immer passend zur Zahl (z.B. jede Dreier-Karte hat denselben Effekt) und die Ziele geben an, wie diese Karte am Rundenende wertet.

Zwischen euch liegen fünf Straßenkarten. Oberhalb und unterhalb sind je fünf Ablageplätze für Cafékarten, für jedes Spielercafé also eine Reihe. Sechs Karten zieht jede von euch vom Nachziehstapel auf die Hand, dazu legt ihr noch vier weitere Karten in einen offenen Vorrat neben dem Spielfeld.

Ihr spielt ein Best-of-3, also so lange, bis jemand von euch zwei Runden gewinnt. In jeder Runde wählt ihr Karten von der Hand aus und platziert sie im Café. Am Ende der Runde wertet ihr die Karten in eurem Café aus und erhaltet die darauf abgebildeten Münzen für erfüllte Ziele. Wer die meisten Münzen erlangt, gewinnt die Runde.

Fika: So wird es gespielt

Das Spielprinzip ist simpel – und hat es dennoch in sich: Ihr legt eine Handkarte vor euch ab und dreht sie gleichzeitig um. Wer die Cafékarte mit dem höheren Wert hat, spielt sie zuerst auf, und zwar auf einen freien Platz im eigenen Café. Haben beide Karten denselben Wert, entscheidet die Spielreihenfolge der Farben, die ihr vor Rundenbeginn festgelegt habt. Insgesamt spielt ihr auf diese Weise fünf eurer sechs Handkarten aus, ehe es zur Wertung kommt.

Das Besondere an Fika sind die Effekte auf den Karten sowie deren Ziele. Beispiele für Effekte: Legt dein Gegenüber eine Karte mit der Zahl 1, darf er entweder eine Karte in seinem oder in deinem Café mit einer Karte aus dem offenen Vorrat vertauschen. Legst du hingegen eine Zweier-Karte, darfst du eine Karte in deinem Café mit der gegenüberliegenden Karte im gegnerischen Café vertauschen.

Beispiele für Ziele: Deine platzierte Fünfer-Karte bringt am Rundenende acht Münzen, wenn in deinem Café mindestens drei Karten mit aufeinanderfolgenden Zahlen nebeneinander liegen. Und die Vierer-Karte deiner Gegnerin ist sieben Münzen wert, falls am Rundenende in ihrem Café mindestens 3 Karten von derselben Farbe nebeneinander liegen.

Fika bleibt durch das Auswählen und Platzieren von Karten sehr dynamisch, weil sich bis zur letzten Rundenkarte sowohl die eigene als auch die Auslage des Gegenübers an entscheidenden Stellen ändern kann. Sicher geglaubte Münzen gehen durch einen Kartentausch noch verloren oder eine taktisch zurückgehaltene Karte trumpft im finalen Zug groß auf. Und dann müssen noch die beiden Kaffeeklatsch-Karten taktisch klug eingesetzt werden, weil sie den Münzwert einer Karte am Ende verdoppeln oder gar verdreifachen können.

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Fika: Fazit und Wertung

Fika ist eine Kaffeepause mit Köpfchen, bei der ein beruhigender Kräutertee manchmal ratsamer wäre als Koffein. Das kleine Zwei-Personen-Spiel mit den hübschen Illustrationen von Beth Sobel (Flügelschlag, Cascadia) gibt sich harmlos, bringt aber alles mit, was ein knackiges Duell am Spieltisch braucht. Jeder spielt bloß fünf Karten aus, aber die Entscheidung, zu welchem Zeitpunkt man welche Karte ins Spiel bringt, verlangt Taktik und Fingerspitzengefühl. Nicht zu früh möchte man dem Gegner offenbaren, auf welche Ziele und Münzen man setzt, weil der Tausch von Cafékarten eigene Ambitionen zunichte machen kann.

In jeder Runde sind zwei der 18 Cafékarten aus dem Spiel, so dass man mit der Kenntnis der eigenen und der vier offenen Vorratskarten Rückschlüsse auf die Möglichkeiten des Gegenübers ziehen kann. Vollständige Information gibt es dabei nicht, das ist clever gemacht von Autor Pieter Van Gompel. Gut gefällt auch die Zugreihenfolge durch die Stichfarben, denn es kann je nach Spielsituation mehr Sinn machen, als Erstes oder als Zweites die eigene Karte ins Café zu platzieren.

Was ihr mögen solltet, um gerne Fika zu spielen: Interaktionen und auch mal eine fiese, destruktive Spielweise. Die Auslage des Gegners manipulieren ist ausdrücklich erwünscht! Cafékarten wechseln ihre Plätze, im letzten Moment platzt euer Plan – da kann es am Tisch schon laut werden. Neben den vielen aktuellen Brettspielen, bei denen alle solitär an ihren eigenen Tableuas basteln, ist Fika eine erfrischende Abwechslung.

Für Spieler:innen unter 10 Jahren ist Fika nicht geeignet. Unserer Erfahrung nach wäre auch eine Altersempfehlung ab 12 gerechtfertigt gewesen. Wer Fika nur hin und wieder spielt, wird um ein erneutes Studieren der Anleitung nicht umhinkommen. Die vielen Effekte und Ziele sind zwar auf den Karten kurz erläutert und mit Symbolen erklärt. Dennoch gelang uns der Wiedereinstieg nur nach erneuter Regelkunde stolperfrei. Unserem Spielspaß hat das nicht geschadet. Eine Partie Fika ist angenehm kurz: dauert kaum länger als eine Tasse Kaffee zu trinken und ein Stück Torte zu essen.


Fika – auf einen Blick | 8.3

Im konfrontativen Fika betreiben zwei Spieler:innen Cafés und versuchen, die meisten Münzen zu verdienen. Sie müssen ihre Karten clever ausspielen, die gegnerische Auslage manipulieren und als Erstes zwei Runden gewinnen.

Autor: Pieter Van Gompel, Illustration: Beth Sobel | Board Game Circus | 2022 | 2 Personen | ab 10 Jahren | bis 20 Minuten

Pro

  • schnelles Kartenspiel mit ausgefeilter Mechanik
  • für Fans von interaktiven Duellen ein Highlight
  • sehr schicke Gestaltung

Contra

  • potenziell hoher Ärgerfaktor schreckt friedliche Brettspieler:innen ab

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 1 bis 10 Punkte. Spiele mit 1 bis 3 Punkten sind schlecht, mit 4 bis 6 Punkten durchschnittlich. Ab 7 Punkten beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten Wertungen ab 9 Punkten. Für diese Besprechung stand uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Verlags zur Verfügung. Auf den Inhalt unseres Tests hatte dies keinen Einfluss.


  • Die besten Familienspiele des Jahres 2022 – Brettspielelust
    23. Dezember 2022 at 12:46

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