Atiwa

In Uwe Rosenbergs „Atiwa“ helfen Fledertiere dabei, ganze Wälder in Ghana aufzuforsten. Das thematische Kennerspiel bildet einen faszinierenden Kreislauf der Natur ab. Wir haben Atiwa ausführlich getestet und versucht, unsere Farm zu vergrößern.

Atiwa Brettspiel von Uwe Rosenberg, Kennerspiel Rezension
Spielzug bei Atiwa: Arbeiter auf dem Aktionsplan platzieren und entsprechende Marker von der Vorratstafel nehmen.

Flughunde sind vor allem im tropischen und subtropischen Afrika beheimatet. Die nachtaktiven Fledertiere legen bei ihrer Nahrungssuche weite Strecken zurück und sind wichtig für die Vegetation. Warum? Weil sie beim Verzehr von Früchten Samen transportieren oder auch Blüten bestäuben, wodurch Pflanzen wieder in entwaldete Regionen gelangen können.

Was nach Bio-Unterricht in der Mittelstufe klingt, hat Uwe Rosenberg zum Thema seines Kennerspiels „Atiwa“ gemacht. Eine bis vier Personen versuchen, eine Gemeinde in Ghana aufzubauen, Häuser für neue Familien zu errichten und erfolgreich zu wirtschaften. Der richtige Umgang mit den nützlichen Flughunden ist in diesem Worker-Placement-Spiel der Schlüssel zum Sieg.

Atiwa: So wird es gespielt

Jede Person erhält drei Arbeiter-Meeple und ein eigenes Vorratstableau, auf dem Buschtiere, Bäume, Früchte, Familien und Ziegen auf ihren Einsatz im Spiel warten. Eine erste Dorfkarte wird unterhalb des Tableaus platziert; auf das abgebildete Hüttenfeld legt jeder einen Familienmarker.

Die allgemeine Auslage hält Goldstücke sowie rund 100 Flughunde aus Holz bereit. In der Tischmitte befindet sich der große Aktionsplan. Reihum werden alle Mitspielenden ihre Arbeiter auf einem der freien Felder platzieren und dafür Belohnungen erhalten oder Orts- bzw. Landschaftskarten kaufen. Nach jeder von insgesamt sieben Runden folgt eine Wertung, die u.a. für Einkommen oder neue Tiere und Familien sorgt.

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Beispiel für einen Spielzug

Du platzierst deinen ersten Arbeiter auf dem Aktionsplan. Das Feld zeigt einen Baum mit Frucht und eine Ziege. Die entsprechenden Marker nimmst du von deiner Vorratstafel und legst sie auf eine verfügbare Stelle deiner Dorfkarte. Das Dorf hat acht Plätze, auf manchen darf ein Baum stehen, auf anderen eine Ziege usw.

Nachdem alle anderen Spieler an der Reihe waren, schaust du dir die freien Felder auf dem Aktionsplan an und legst den zweiten Arbeiter auf ein Landschaftskarten-Feld. Dafür erhältst du die ausliegende Karte, baust sie neben oder unterhalb deiner Dorfkarte an und darfst dir außerdem noch deinen ersten Flughund nehmen. Auch ihn musst du auf ein passendes freies Feld deines Dorfes ablegen.

Atiwa Brettspiel von Uwe Rosenberg, Kennerspiel Rezension
Gelber Meeple: eine Ziege und wahlweise zwei Flughunde oder ein Buschtier einsammeln.
Landschaftskarte mit acht Feldern, auf denen die jeweiligen Marker platziert werden dürfen.

Die Zwischenwertungen

Sobald alle ihre Arbeiter auf dem Aktionsplan platziert haben, folgt die erste Rundenwertung in diesen sieben aufeinander folgenden Schritten:

1 Jede geschulte Familie auf euren Karten bringt einen Goldmarker Einkommen (Warum? Geschulte Familien wissen um die Nützlichkeit der Flughunde. Wie schult man sie? Indem ihr einen Arbeiter während der Runde auf das entsprechende Feld stellt und den Marker einer bislang ungeschulten Familie auf die Rückseite drehen dürft).

2 Neue Marker nehmen (Betrachtet dafür das eigene Vorratstableau – abhängig davon, wie viele von jeder Art bereits auf den Karten verteilt sind, erhaltet ihr neue Bäume, Früchte und Flughunde.)

3 Heimkehr der Flughunde auf eure Karten (Nach jeder Arbeiter-Aktion habt ihr die Möglichkeit, drei eurer Flughunde von der Auslage auf die Nachtkarte zu verschieben. Zusätzlich legt ihr eine Frucht zurück in den Vorrat und nehmt euch einen neuen Baum. Mit dieser Aktion wird simuliert, wie die Flughunde ausschwärmen, um Nahrung zu suchen und auf dem Heimflug die Samen der verspeisten Früchte ausscheiden, wodurch schließlich neue Bäume wachsen.)

4 Nahrungsbedarf der eingesetzten Familien stillen (je nach Zahl der Familien und Ziegen in eurer Auslage benötigt ihr eine bestimmte Menge Nahrung, die ihr durch Tiere, Früchte oder Gold decken müsst. Schafft ihr das in diesem Moment nicht, schreibt ihr sofort zwei Minuspunkte für jede Einheit fehlender Nahrung auf.)

5 Vermehrung (in jeder Runde greifen bestimmte Bedingungen, die euch weitere Familien oder Tiere bescheren)

6 Arbeiter vom Aktionsplan nehmen und schließlich noch

7 die nächste Spielrunde vorbereiten.

Nach Runde 7 rechnet ihr eure Gesamtpunktzahl aus verschiedenen Kategorien zusammen, um die Gesamtsieger:in zu ermitteln. Vor allem zugekaufte Ortskarten bringen eine Menge Siegpunkte, zudem sind Goldstücke, geschulte Familien und Flughunde (ab dem elften!) je einen Bonuspunkt wert.

Atiwa Brettspiel von Uwe Rosenberg, Kennerspiel Rezension
Die Gemeinde wächst: Drei Karten sind bereits gut gefüllt mit Bäumen, Ziegen und Flughunden.

Atiwa: Fazit und Wertung

Selten hatten wir bei einem Brettspiel das Gefühl, dass ein Autor so viel Herzblut in sein Werk gesteckt hat wie bei Atiwa. Das Regelheft enthält viele persönliche Hinweise, die den Zusammenhang von Mensch, Tier und Umwelt erklären. Zusätzlich liegt ein Begleitheft im Karton, das auf sechs Seiten Hintergründe zu Ghana und die Inspiration für das Spiel thematisieren. Dabei scheint das Booklet bloß ein Teaser zu sein für Uwe Rosenbergs Buchprojekt „Weckruf aus Ghana“, das bei Lookout Spiele erscheinen soll.

Für die meisten Spielerinnen und Spieler dürfte das Wirken der afrikanischen Flughunde überraschend neu sein. Und wer sich vor dem ersten Spielzug in das Thema einliest, fragt sich gespannt, wie man das komplexe Setting auf ein Brettspiel herunter bricht. Gleich vorweg: Es ist Uwe Rosenberg sehr gut gelungen.

  • In dem kompetitiven Kennerspiel Atiwa schlüpfst du in die Rolle einer Obstbauern-Familie, die symbiotisch mit Flughunden zusammenleben und arbeiten. Die Atiwa Range liegt im Südosten Ghanas in Afrika
  • In dem Worker Placement werden die Flughunde wie Haustiere gehalten, um die Farmen schneller zu vergrößern. Die hohen Bäume dienen den Flughunden als Schlafplatz und bieten ihnen Schutz
  • Baue deine Gemeinde in der Nähe der Atiwa Range auf. Errichte Häuser für deine Familie und teile dein erworbenes Wissen über den positiven Effekt, den die Flughunde auf die Umwelt haben
  • Erwirb Länder, setze deine Tiere und Ressourcen taktisch ein und führe deine Gemeinde zum Wohlstand. Bringe die Bedürfnisse deiner Gemeinde und der Umwelt in Einklang, um die Partie zu gewinnen
  • 1-4 Spieler | Ab 12+ Jahren | 30 Minuten Spielzeit je Spieler | Autor: Uwe Rosenberg | Spiel in Deutsch

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Atiwa (Lookout Spiele) ist ein Kennerspiel und wie gemacht für ambitionierte Familienspieler: Die Anleitung auf zwölf Seiten ist umfangreich, liest sich aber flüssig runter und lässt keine Fragen offen. Wie immer bei „größeren“ Brettspielen macht es Sinn, dass sich vorab jemand in die Regeln einarbeitet und das Spiel anschließend praktisch erläutern kann.

Erstpartie zum Ausprobieren nutzen

Die Auftaktpartie lässt bereits eine Lernkurve erahnen, die jeder Neuling bei Atiwa durchlaufen wird. Zunächst bleibt etwas unscharf, wie die Aktionen und Effekte ineinandergreifen und zum Fortschritt der eigenen Gemeinde beitragen. Gerade das Verschieben von Tieren und Markern vom Vorratstableau auf die Dorfkarten (und wieder zurück!) führte in manchen Spielrunden zu Stirnrunzeln. Wie komme ich an genug Gold, wie schule ich alle meine Familien und wann macht es Sinn, noch mehr Flughunde einzusetzen?

Unser Rat: das erste Spiel zum unbekümmerten Ausprobieren nutzen und alle Abläufe auf sich wirken lassen.

Die Mechaniken und das große Aktionsspielfeld bieten ausreichend Möglichkeiten, seine Handlungen gut verzahnt aufeinander abzustimmen. Nach und nach offenbart sich der Kreislauf der Natur: Buschtiere essen Früchte, scheiden die Samen aus, wodurch neue Bäume entstehen. Auf diesen Bäumen wachsen wieder Früchte, die neue Flughunde anlocken. Und wenn die Familien dann noch geschult sind, Einkommen erzielen und zum Wachstum der Gemeinde beitragen, entfaltet sich vor uns eines der thematischsten Brettspiele des Jahres.

Ausbau der eigenen Gemeinde nicht vernachlässigen

Keinesfalls zu vernachlässigen ist der stetige Ausbau des eigenes Gebietes mit Landschafts- und Ortskarten. Nichts ist ärgerlicher, als viele Ressourcen und Familien als Nachschub zu „produzieren“ und dann keinen Platz zu haben, sie unterzubringen. Wer so fahrlässig mit der Planung umgeht, lässt viele Siegpunkte irgendwo am ghanaischen Wegesrand liegen.

Große Gemeinden benötigen einigen Platz auf dem Spieltisch und machen Atiwa (im Vertrieb von Asmodee) zu einem optischen Highlight: Spielmaterial und Design sind sehr ansprechend gestaltet; ein paar Sortierhilfen abseits der üblichen Plastiktütchen wären allerdings noch drin gewesen.

Die Interaktionen zwischen den Spielenden beschränkt sich aufs Wegschnappen von freien Aktionsfeldern und Landschafts-/Ortskarten auf dem Spielplan. In voller Besetzung zu viert ist das am ehesten zu spüren. Ansonsten sind alle in den eigenen Gefilden gut beschäftigt. Geübte Runden schaffen eine Partie Atiwa in rund 90 Minuten Spielzeit. Immer vorausgesetzt, dass keine Grübler am Tisch sitzen, die über dem Für und Wider ihres nächsten Zuges brüten.


Atiwa – auf einen Blick | 8.4

In Atiwa eine Gemeinde aufbauen und dabei nützliche Flughunde einsetzen: Uwe Rosenbergs Kennerspiel bricht das komplexes Umweltthema gekonnt auf ein Brettspiel runter. So macht Worker Placement Spaß!

Autor: Uwe Rosenberg, Illustration: Andy Elkerton | Lookout Spiele, Asmodee | 2022 | 1 bis 4 Personen | ab 12 Jahren | bis 90 Minuten

Pro

  • faszinierendes thematisches Setting
  • Worker Placement für fortgeschrittene Familienspieler ab 12 Jahren
  • alle Aktionen greifen gut ineinander

Contra

  • spielt sich sehr solitär
  • nach mehreren Partien hat man eigentlich alles gesehen

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 1 bis 10 Punkte. Spiele mit 1 bis 3 Punkten sind schlecht, mit 4 bis 6 Punkten durchschnittlich. Ab 7 Punkten beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten Wertungen ab 9 Punkten. Für diese Besprechung stand uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Verlags zur Verfügung. Auf den Inhalt unseres Tests hatte dies keinen Einfluss.


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