Terra

★★★★★☆☆☆☆

Wann wurde die älteste U-Bahn der Welt eröffnet? Wo steht die Hagia Sophia? Und wie viele Menschen versuchten, von der Gefängnisinsel Alcatraz zu fliehen? Bei Terra schätzen wir die Antworten, selbst wenn wir (fast) keine Ahnung haben.

Terra Brettspiel von Huch!
Terra: Wer am Zug ist, setzt einen seiner Steine auf ein Gebiet der Weltkarte oder ein Feld der Schätz-Skalen. Foto: Huch!

Wer bei schwierigen Fragen in anderen Quizspielen nur mit den Schultern zuckt, dürfte am Ende einer Partie leer ausgehen. Nicht bei Terra (Hutter Trade/Huch!) von Autor Friedemann Friese: Hier können auch Spieler:innen ohne Geografiewissen punkten, denn ihre Antworten schätzen sie mit Zählsteinen auf Skalen und behalten dabei die Tipps ihrer Mitspieler genau im Auge. Aber der Reihe nach.

Spielablauf: Darum geht’s bei Terra

Terra ist kein neues Spiel, sondern eine grafisch überarbeitete Version der 2014er-Ausgabe mit 150 neuen Fragekarten. In jeder Runde wird die vorderste Aufgabenkarte in der Kartenbox betrachtet, von der nur der obere Teil sichtbar ist. Sie gibt das Thema vor, sowie in wie vielen Gebieten der Begriff vorkommt und welche anderen Maßzahlen gesucht sind. Das können zum Beispiel Höhe, Entdeckungsjahr, Alter, Einwohnerzahl oder

Gewicht sein.


Terra – auf einen Blick

Friedemann Friese | Hutter Trade/Huch! | 2014/2021 | 2-6 Spieler | ab 10 Jahren | 30-45 Minuten

Spielerisch die Welt entdecken: Terra ist ein flottes Schätzspiel mit 300 Geografie-Fragen, bei dem man sogar nichtwissend auf der Punkteskala vorankommen kann.

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Wer am Zug ist, setzt einen seiner Steine auf ein Gebiet der Weltkarte oder ein Feld der Schätz-Skalen. Danach ist die Nächste an der Reihe, so lange, bis alle Steine gelegt sind oder alle Spieler:innen gepasst haben. Knapp vorbei ist bei Terra nicht ganz daneben. Auch fast richtige Antworten bringen Punkte. Schätzsteine, die direkt benachbart zur richtigen Lösung stehen, werden auch mit Punkten belohnt. Sieger:in ist, wer innerhalb einer vorab festgelegten Rundenzahl die meisten Punkte sammelt – mit solidem Halbwissen und ein wenig Rateglück.

Ein Beispiel: Gesucht ist das Jahr der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Die richtige Antwort ist mir bekannt: 1776. Ich setze meinen Stein bei der Jahresskala auf die Zeitspanne 1750-1800. Mein Mitspieler zur Linken (auch wenn er die Antwort weiß) darf seinen nun nicht auf dieselbe Stelle setzen, sondern höchstens angrenzend. Er wählt die Zeitspanne 1700-1750. Die Mitspielerin danach schätzt und setzt ihren Stein auf die Zeitspanne 1820-1840. Bei der Auswertung erhalte ich sieben Punkte für die richtige Antwort und Mitspieler links erhält drei Punkte für einen angrenzend zur richtigen Antwort platzierten Stein. Die Mitspielerin hingegen geht leer aus.

Eingesetzte Schätzsteine, die in der Auswertung Punkte eingebracht haben, gehen in den Vorrat ihrer Besitzer:innen zurück. Schätzsteine, für die man keine Punkte bekommen hat, werden neben dem Spielplan gesammelt. Sie stehen den Spielern nach dem Startspielerwechsel (teilweise) wieder zur Verfügung.

Übrigens: Das Setzen von Steinen auf der großen Weltkarte ist nicht immer eindeutig: Die Gebiete beziehen sich auf unterschiedliche Regionen der Welt und orientieren sich nur grob an bestehenden Staatsgrenzen. Es kann vorkommen, dass sich große Staaten über mehrere Gebiete erstrecken, wie z.B. die USA (inklusive Hawaii) oder Russland (inklusive der größeren Inseln im Nordpolarmeer und im Nordwestpazifik), andererseits kann auch ein Gebiet mehrere Staaten (ganz oder teilweise) umfassen.

Terra: Bewertung und Fazit

Das Spielprinzip von Terra kommt euch bekannt vor? Klar, es ist die Fortschreibung von „Fauna“ mit neuem Thema, für das Friedemann Friese 2009 fürs Spiel des Jahres nominiert war. Diesmal aber müssen wir nicht wissen (oder vielmehr raten), wo bestimmte Tiere zu Hause sind, wie viel sie wiegen oder wie lang ihr Körper ist.

Bei Terra fühlt es sich eher nach einer Erdkundestunde zu Schulzeiten an, für die wir nicht gelernt haben. Giant’s Causeway? Woher soll ich wissen, wie viele Basaltsäulen da stehen? Wann der Begriff Tornado Valley eingeführt wurde? Keine Ahnung! Bei Terra müssen alle Mitspieler ihr potenzielles Nichtwissen akzeptieren. Erst wenn alle diese Frustschranke überwinden, macht das Spiel richtig Spaß.

Manche Antworten kennt man natürlich, aber wenn man an der Reihe ist, hat vielleicht jemand anderes das korrekte Antwortfeld blockiert. Und manchmal ist man als Erster dran und hat keinen Schimmer. Dann gilt es, ein Pokerface aufzusetzen und souverän seinen Stein zu setzen. Es geht also taktisch zu: Wenn die anderen einen wissenden Eindruck machen, versucht man, eigene Steine angrenzend auf der Karte zu platzieren und zumindest drei Punkte mitzunehmen.

Das leichte Spielprinzip ermöglicht einen schnellen Spielstart. Durch die kurz gehaltene Spielanleitung ist nicht viel Vorbereitungszeit nötig. So kann zügig mit dem Spielen begonnen werden. Das Artwork und die Verarbeitung des Spielmaterials ist gelungen und macht einen wertigen Eindruck. Das empfohlene Alter ab 10 ist passend; es ist auf jeden Fall eher für Familien mit ihren älteren Kindern geeignet. Und wie oben erwähnt: Jede:r Mitspieler:in sollte Lust am Zocken haben und sich nicht durch eigenes Nichtwissen abschrecken lassen. Dann steht guter Unterhaltung nichts im Wege – und Terra hat dann schon fast Partyspiel-Potenzial.

P.S. Die älteste U-Bahn der Welt wurde 1863 in London eröffnet. Die Hagia Sophia steht im Gebiet „Südeuropa“. Und 36 Menschen haben versucht, aus dem Alcatraz-Knast zu entkommen.


Hinweis: Für diese Besprechung stand uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Verlags zur Verfügung. Auf den Inhalt unseres Tests hatte dies keinen Einfluss.

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