Just Wild

Luchs, Bär, Wolf oder Steinbock: In Just Wild (Helvetiq) legen die Spieler:innen ihre Handkarten geschickt ab, um das Territorium der eigenen Tierart zu vergrößern und zu schützen.

Just Wild Spiel
Just Wild: Karte mit Tierbaby gespielt? Dann schnell ein Plättchen drauf und das Gebiet schützen!

Brettspiele mit Tieren oder Natur als Thema boomen. Aber nicht jedes neue Spiel ist das nächste Cascadia, bloß weil es Landschaften, Tierkarten und Tokens enthält. Dass es auch eine Nummer kleiner funktioniert, zeigt Just Wild vom schweizer Helvetiq-Verlag. In diesem handlichen Kartenspiel für 2 bis 4 Personen geht es um gefährdete Tierarten, die in den Bergen zu Hause sind. Luchs, Bär, Wolf oder Steinbock treten gegeneinander an und versuchen, möglichst viel Gebiet für sich zu beanspruchen.

Just Wild: So wird es gespielt

Die Mitspielenden starten mit einem Deck aus 20 Karten einer Tierart sowie fünf Tiertokens. Drei Karten ziehen sie als Handkarten. Alle zeigen auf der oberen und unteren Hälfte einen Zahlenwert, zudem sind sie doppelt so lang wie quer. Dieses spezielle Format ermöglicht es, mit einer Karte die Hälften von genau zwei anderen Karten zu überdecken. Das darf man immer dann tun, wenn der Wert der abgelegten Karte so groß ist wie die Summe der abgedeckten Karten.

Klingt schwierig, ist aber ganz einfach: Zwei Karten liegen benachbart, die untere Hälfte der einen Karte zeigt eine 4, die untere Hälfte der anderen eine 2. Wenn ich nun eine 6 von meiner Hand ausspiele, lege ich sie quer über die Hälften mit der 4 und der 2. Vorteil: Meine Tierart hat nun ein Stück Territorium hinzugewonnen, sofern ich Karten meiner Gegner überdeckt habe und nicht meine eigenen.

Falls sich ein Jungtier mit auf der Karte befindet, kann ich das entsprechende Feld sogar mit einem meiner Tokens blockieren. Nun darf niemand eine weitere Karte auf dieses Feld legen.

Karte ausspielen, Gegnerkarten überdecken, Karte vom eigenen Nachziehstapel nehmen – so geht es reihum weiter, bis zwei Sonderfälle auftreten:

1. Ich habe keine passende Karte, deren Wert zur Summe der ausliegenden Tierkarten passt. Dann muss ich das Gebiet auf dem Tisch erweitern, indem ich eine meiner Handkarten mit der neutralen Rückseite irgendwo angrenzend am Rand anlege. So wird die Spielfläche größer und bietet neue Anlegemöglichkeiten.

2. Die Summe zweier angrenzender Kartenhälften ist größer als 10. Wenn ich z.B. eine 15 abdecken möchte, klappt das wie folgt: Ich lege eine 5 auf die entsprechenden Karten auf dem Tisch legen (etwa auf eine 8 und die benachbarte 7). Für die fehlenden 10 Punkte (von 5 auf 15) muss ich die oberste Karte meines Decks mit der neutralen Rückseite irgendwo am Rand anlegen.

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Sobald einer von uns alle 20 Karten abgelegt hat, zählt er oder sie die sichtbaren Kartenhälften der eigenen Tierart. Das sind die Punkte für die Endwertung. Das Spiel läuft für die anderen Spieler:innen weiter, bis alle ihre Karten losgeworden sind. Auch sie zählen die jetzt sichtbaren Kartenhälften der eigenen Farbe zusammen. Gewonnen hat die Person mit den meisten Punkten.

Just Wild: Fazit und Wertung

Just Wild ist ein ruhiges Familienspiel, das entspannt abläuft, obwohl man den Gegnern immer wieder Gebiete stibitzt. Das interaktive Kartenlegespiel ist durch seine einfachen Regeln zugänglich und schnell erlernt. Die taktischen Möglichkeiten sind begrenzt, am ehesten lässt sich im Zweierspiel der eine oder andere Zug im Voraus planen. Weil die Handlungen stets von den eigenen Handkarten abhängen, ist eine große Portion Glück mit von der Partie. Als störend haben wir das zu keiner Zeit empfunden.

Gelegentlich spielende Fans von handlichen und hübsch aufgemachten Kartenspielen sollten einen Blick auf Just Wild werfen. Es passt zum Beispiel zum Start eines Spieleabends oder ins Repertoire jeder Grundschul-Brettspiel-AG. Ein bisschen addieren, eigene Karten mit den wechselnden Gegebenheiten auf dem Tisch abgleichen und den Frust aushalten, wenn andere die eigenen Gebiete schmälern: So lernen Kinder ab ca. sieben Jahren etwas anderes kennen als Uno und Co.

Just Wild lässt sich am leichtesten lernen, wenn eine:r die Regeln bereits kennt und sie in eigenen Worten kurz zusammenfasst. Die Anleitung hat leider ein paar Schnitzer: Neben mehreren Rechtschreibfehlern könnten der Spielablauf und die wenigen Regeldetails flüssiger und eingängiger beschrieben werden. Wie eingangs erwähnt: Eigentlich ist das Spiel ganz einfach.


Just Wild – auf einen Blick | 6.8

Ruhiges Familienspiel, das auch in jeder Grundschul-Spiele-AG funktioniert: Wir legen Handkarten ab und versuchen, die Territorien unserer Tierart zu vergrößern. Könnte mehr Varianz und einen Spannungsbogen vertragen, um langfristig zu motivieren.

Autoren: Marco Franchin, Leo Colovini | Helvetiq | 2022 | 2 bis 4 Personen | ab 8 Jahren | bis 20 Minuten

Pro

  • Entspanntes, ruhiges Spiel für Zwischendurch
  • Kommt gut in Grundschul-AGs an (Addition lernen mal anders!)

Contra

  • Keine gute Anleitung
  • Langfristig: fehlender Spannungsbogen

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 1 bis 10 Punkte. Spiele mit 1 bis 3 Punkten sind schlecht, mit 4 bis 6 Punkten durchschnittlich. Ab 7 Punkten beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten Wertungen ab 9 Punkten. Für diese Besprechung stand uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Verlags zur Verfügung. Auf den Inhalt unseres Tests hatte dies keinen Einfluss.

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