Findorff

In „Findorff“ produziert ihr Güter, verkauft Waren auf dem Markt, baut Gleise und errichtet mit dem verdienten Geld historische Bauwerke in Bremen. Ob der Engine Builder in Friedemann Frieses neuem Strategiespiel funktioniert, erfahrt ihr in unserer Rezension.

Findorff Spiel Rezension
Zwei fast fertige Gleise führen durch den Stadtteil Findorff, erste Gebäude sind bereits errichtet.

Findorff ist ein Bremer Stadtteil, der sich innerhalb des 19. Jahrhunderts zum Verkehrsknotenpunkt und Umschlagplatz für industrielle Güter entwickelt hatte. Zunächst galt Torf als wichtigste Ware zum Heizen der Häuser und zur Energiegewinnung für die Industrie. Später verlor er an Bedeutung und wurde durch die energiereichere Kohle ersetzt.

Beide Phasen dieser Epoche bildet Friedemann Friese in seinem Strategiespiel ab. Der aus Bremen stammende Autor schickt ein bis fünf Spieler:innen los, Gleise zu bauen, Güter zu produzieren und sie schließlich an den Markt zu verkaufen. Die meisten Siegpunkte erhalten sie in „Findorff“ allerdings für eine andere Leistung: möglichst viele der 25 historischen Bauwerke, von der Stuhlrohrfabrik bis zum Schlachthof, zu errichten.

Findorff: So wird es gespielt

Werfen wir einen Blick auf das wirklich große und ziemlich leere Spielfeld, das den Stadtteil Findorff zeigt. Zwei Eisenbahntrassen führen im Bogen durch den Ort, noch ohne verlegte Gleise. Die kommen nach und nach ins Spiel und sind Folge von bestimmten Handlungen, zum Beispiel den Verkauf von Schienen (ihr erhaltet zehn Taler und legt eine Schiene aus eurem Vorrat auf das nächste freie Gleis). Sobald das zweite Gleis fertiggestellt ist, endet eine Partie „Findorff“.

Herzstück des Spiels ist eure eigene Aktionsleiste mit den Handlungsoptionen für jeden Spielzug. Von oben nach unten lauten sie: Einkauf, Einstellung, Produktion und Verkauf. Wenn ihr an der Reihe seid, verschiebt ihr eure Spielfigur um 0 bis 3 Schritte auf der Leiste nach unten und führt die entsprechende Aktion aus. Zunächst ist jede nur einmal möglich, später im Spiel habt ihr Aktionsplättchen zugekauft und könnt beispielsweise dreimal hintereinander eine Produktion durchführen. Durch dieses Engine Building gestaltet ihr Spielzüge effektiver und werdet letztlich mehr Geld verdienen, mit dem ihr die wertvollen Gebäude errichtet.

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Die vier Aktionen auf der Leiste stellen einen Kreislauf dar: Sobald eure Figur unten beim Verkauf das Tableau verlässt, stellt ihr sie oben beim Einkauf wieder darauf. Aber: Immer, wenn das passiert, löst ihr für euch eine so genannte Bürokratie aus. Ihr bezieht Einkommen, müsst eure Häuser mit Torf heizen usw.

Jeder von euch hält ein Set Bauwerk-Karten auf der Hand, weitere Karten liegen offen im Markt. Sie wurden vor Spielbeginn in Draftingrunden verteilt. Jedes Bauwerk hat bestimmte Kosten (der Schlachthof kostet 17 Taler, zwei Ziegel und drei Schienen aus dem eigenen Lager), ist aber stolze 50 Siegpunkte wert und sorgt für Effekte nach dem Errichten.

Einkauf, Einstellung, Produktion und Verkauf: Die Aktionsleiste zeigt die möglichen Handlungen an.
Finforff Brettspiel Friedemann Friese
Oben der allgemeine Torfmarkt, darunter das Warenlager (mit einer Schiene) eines Mitspielers.

Wenn ihr euch die Gebäude wie die Fleischmarkthalle oder den Segelclub Blockland leisten möchtet, benötigt ihr zuallererst Geld. Wie man in „Findorff“ seine Finanzen aufbessert, lässt sich ökonomisch von hinten aufrollen:

  • Wer Geld braucht, kann Waren am Markt verkaufen, zum Beispiel Torf oder Gleise.
  • Solche Güter wie Ziegel, Torf und Schienen produziert ihr in eurer Firma, dafür sind Produktionsstätten und Arbeitskräfte vonnöten.
  • Arbeitskräfte heuert ihr während der Aktionsphase „Einstellung“ an, aber Achtung: Regelmäßig stirbt ein Arbeiter an Altersschwäche und dezimiert die Belegschaft.
  • Produktionsstätten kauft ihr während der Aktionsphase „Einkauf“ dazu, je nach Ausstattung und Preis produzieren sie später 1 bis 2 Güter pro Durchgang.

Wer vorausschauend agiert, passt eigene Handlungen an diesen Wirtschaftskreislauf an und schafft es, am Ende mehr Gebäude zu bauen als die Konkurrenz. Die Person mit den meisten Siegpunkten gewinnt das Spiel.

Findorff: Fazit und Wertung

Der Autor mit den zwei F hat dem Bremer Stadtteil mit den drei F ein brettspielerisches Denkmal gesetzt. Über mehr als ein Jahrhundert begleiten wir den Ort Findorff, gestalten seinen Aufschwung und bauen eine wichtige Eisenbahnlinie Richtung Hamburg. Findorff ist ein Paradebeispiel für ein thematisches Brettspiel und bildet dank seiner gut verzahnten Mechanik den wirtschaftlichen Kreislauf ab.

Kaufen, produzieren, verkaufen – alles dient dem eigentlichen Ziel und Zweck in Findorff: viele der 25 historischen Bauwerke zu errichten. 50 Siegpunkte rechnet ihr am Spielende pro Gebäude ab. Wer ein oder zwei Bauwerke mehr geschafft hat als die anderen am Tisch, wird vermutlich den Sieg davontragen, denn die übrigen Siegpunkte für Schienen, Ziegel oder Torf im Lagerhaus sowie eigene Münzen wiegen den Bauvorteil nicht auf. Insofern überrascht Findorff mit einem Renncharakter, den man so gar nicht erwartet hatte.

Kann ich mir als Nächstes die Kuhsiel-Schleuse für 25 Taler leisten?

Dafür blieb das Strategiespiel an anderer Stelle hinter unseren Erwartungen zurück: Findorff ist kein komplexes Kennerspiel und stellt die Spielenden kaum vor schwierige Aufgaben. Man produziert Rohstoffe, stellt Arbeiter ein, verkauft an den Markt, generiert in der Bürokratiephase Einkommen. Vielspieler:innen, die gern tiefer einsteigen, dürfte der gleichförmige Ablauf unterfordern. Geldsorgen sind selten und wer beim Gebäude-Drafting den Schlachthof zieht und nach seinem Bau regelmäßig 20 Taler kassiert, hat einen großen Spielvorteil.

Überhaupt wirkt das Drafting der Bauwerkskarten unausgewogen, vor allem im Zwei-Personenspiel. „Zieht beide je 9 verdeckte Karten und führt eine Drafting-Runde durch: Wählt 5 Karten und gebt die anderen 4 Karten weiter. Ihr beginnt die Partie mit 9 Handkarten“, heißt es in der Anleitung. Wer sich gleich fünf Karten auf einmal sichern darf und Fortuna auf seiner Seite weiß, dürfte mit einem breiten Grinsen in die Partie einsteigen. Hier empfehlen wir Hausregeln mit einem kleinteiligeren Draften der so wichtigen Bauwerke.

Findorff spielt sich rund und flüssig herunter und bleibt mit einer guten Stunde Spielzeit in einem ordentlichen Zeitrahmen. Die Optik ist typisch 2F-Spiele, was je nach persönlichem Geschmack als Kompliment oder Vorwurf gemeint sein kann. Schade, dass das riesige Spielfeld nur Nebendarsteller ist. Schienen auslegen und Gebäudeplättchen auf passende Orte platzieren, das ist fast alles, was ihr auf diesem verschwenderischen Bord anstellen dürft.


Findorff – auf einen Blick | 7.3

Findorff ist ein Strategiespiel mit historischem Setting: Die Spieler:innen kurbeln per Engine Building den Wirtschaftskreislauf an und versuchen, so viele Gebäude wie möglich zu errichten. Trotz eines flüssigen Spielablaufs wünscht man sich auf Dauer mehr Abwechslung.  

Autor: Friedemann Friese, Illustration: Lars-Arne Kalusky | 2F-Spiele | 2022 | 1 bis 5 Personen | ab 12 Jahren | 60 Minuten

Pro

  • Engine Building gut geeignet, um auch Einsteiger an diese Mechanik heranzuführen
  • thematisches Spiel mit historischem Bezug
  • wenig Wartezeit

Contra

  • (zu) viel Verwaltungsaufwand, vor allem beim Torfmarkt
  • Balancing bei den Gebäudekarten nicht ausgereift
  • repetitiv im Ablauf

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 1 bis 10 Punkte. Spiele mit 1 bis 3 Punkten sind schlecht, mit 4 bis 6 Punkten durchschnittlich. Ab 7 Punkten beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten Wertungen ab 9 Punkten. Für diese Besprechung stand uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Verlags zur Verfügung. Auf den Inhalt unseres Tests hatte dies keinen Einfluss.


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