„Brettspiele bekommen in Japan immer mehr Aufmerksamkeit“

Interview: Geschäftsführerin Ayako Kato über ihre Arbeit bei Mundi Games Europe, die japanische Brettspielkultur und warum schon ihre Großmutter Spiele sammelte.

Ayako Kato (li.), Mundi Games-Messeteam auf der SPIEL 21: „Wir richten uns an alle Zielgruppen.“

Ayako, welche Brettspiele bietet Mundi Games zurzeit in deutscher Sprache an?

Ayako Kato: Unser großes Familienspiel heißt Silk Road Adventures. Darin werden die Spieler zu Händlern, die ihren Weg entlang der Seidenstraße gehen und Geschäfte machen.

In einem Wettbewerb geht es darum, schnell möglichst lange Wege zurückzulegen und in nur zwei Minuten so viele Artikel wie möglich zu verkaufen. Die Regeln sind leicht zu verstehen und es ist ein Spiel, das Familien mit Kindern viel Spaß macht.

Ein anderes Spiel von uns heißt Mon. Dies ist ein Zahlenspiel, das auf den Familienwappen der Kriegsherren aus der Sengoku-Zeit basiert. In dem Kartenspiel für zwei bis sechs Spieler werden Zahlen in einer Reihe angeordnet, um Punkte zu erzielen, aber es gibt auch eine Möglichkeit, Reihen zu unterbrechen und bereits erzielte Punkte der Gegner abzufangen. Das Spiel ist einfach, erfordert aber eine Menge Denkarbeit.


Silk Road Adventures

Zum Spieletest
Mon – Emblems from Sengoku

Mon

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Und auch beim dritten Titel Scipio geht es um eine Schlacht.

Ayako Kato: Ja, dieses Spiel für zwei Spieler basiert auf der Schlacht zwischen dem römischen Helden Scipio und dem karthagischen General Hannibal. Ziel ist es, Formationen zu bilden und die Reihen deines Gegners zu durchbrechen, indem du mit Karten angreifst. Es ist ein psychologisches Spiel, bei dem man wiederholt angreift und verteidigt, während man die Karten des Gegners liest und die eigene Taktik daran ausrichtet.

Silk Road Adventures und Mon stammen beide von Osami Okano. Wer ist dieser Autor?

Ayako Kato: Osami Okano ist Japaner und lebt auch in Japan. Ein bekannter Brettspieldesigner ist er zwar noch nicht, wohl aber ein Veteran, wenn es um digitale Spiele geht. Er war seit den Zeiten der Heimcomputer als Game Director tätig. Mittlerweile gehört er zu den führenden Entwicklern der umsatzstarken Smartphone-Spiele in Japan.


Mundi Games Europe

Mundi Games Europe (Sitz in München) ist die deutsche Tochterfirma von Studium mundi, die 2018 gegründet wurde. Die Spiele des japanischen Verlags richten sich an alle Zielgruppen ­­– Kinder, Familien oder Kenner. Und sie sind komplett aus japanischer Hand: „Die Spiele, die wir in Deutschland verkaufen, werden von japanischen Spieleautoren entwickelt, und das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern“, sagt Ayako Kato.


Elektronische Spiele sind in Japan viel populärer als Brettspiele, oder?

Ayako Kato: Ja, das stimmt. Der Markt für Brettspiele ist noch eine Nische. Aber ich hoffe, dass er in Japan künftig viel größer wird. Denn in letzter Zeit haben Brettspiele aufgrund ihres unterhaltsamen und erzieherischen Wertes immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen und werden zunehmend in Bildungseinrichtungen eingesetzt oder in Brettspiel-Cafés gespielt. In Japan findet zweimal im Jahr ein Brettspielmarkt statt, im Frühjahr und im Herbst, der zieht jedes Mal rund 50.000 Besucher an. Wir haben eine blühende Indie-Kultur, die als „Doujin“ bekannt ist, und viele Amateur-Spielentwickler verkaufen ihre Arbeiten auf dieser Veranstaltung. Man geht davon aus, dass die Zahl der Neuerscheinungen ungefähr so groß ist wie bei der SPIEL in Deutschland.

Wie geht es in diesem Jahr bei euch weiter? Welche Pläne hat Mundi Games?

Ayako Kato: Nachdem wir schon 2020 auf der SPIEL.digital ausgestellt hatten und 2021 auch einen Stand auf der SPIEL in Essen hatten, werden wir auch in diesem Jahr wieder auf der weltgrößten Brettspielemesse vertreten sein. Dort präsentieren wir unsere neuen Arbeiten. Eines ist dabei klar: Wir haben nicht vor, die gleichen Spiele in Japan und Europa zu verkaufen, da die Märkte sehr unterschiedlich sind. Die Spiele, die hier wie dort produziert werden, stellen wir von der Konzeptionsphase an völlig getrennt voneinander her.


Das ist Ayako Kato

Ayako Kato leitet Mundi Games Europe seit der Gründung im Juli 2020. Sie lebt in München und mag in ihrer Freizeit Brettspiele, die für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet sind. Mit ihrem kleinen Sohn spielt sie gern Dixit oder Carcassonne – und natürlich Silk Road Adventures aus dem eigenen Verlag.


Zum Abschluss eine persönliche Frage: Wann bist du erstmals mit Brettspielen in Kontakt gekommen?

Ayako Kato: Als Kinder haben wir im Haus meiner Großmutter immer Brettspiele gespielt. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, war das vielleicht nichts, was mir in der japanischen Kultur sehr vertraut war, aber meine Großmutter sammelte Spiele, weil sie sagte, sie seien gut, um das Gehirn zu benutzen. Sehr schöne Erinnerungen habe ich auch daran, mit den Kindern von Verwandten Curling zu spielen, mit Katzen Mäuse zu jagen oder die Zutaten für Reisbällchen zu erraten… Eine Zeitlang waren Brettspiele dann aus meinem Leben verschwunden, doch jetzt, mit meinem neuen Job und dem Leben in Deutschland, habe ich natürlich wieder angefangen. Und hoffe, in Zukunft noch viel mehr Zeit zum Spielen zu finden.

Vielen Dank für das Gespräch.

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