Interview: Innovative Mechanismen & historisches Thema – so entstand Kilia

Autor Lars Ehresmann über sein Erstlingswerk Kilia, historische Themen in Brettspielen und die besonderen Mechanismen seines Spiels.

Spielszene aus Kilia. Fotos (2): Huch

Lars Ehresmann: Ich bin in Kiel geboren und aufgewachsen, habe dort studiert. Dennoch war es nie mein Ziel, ein Kiel-Spiel zu machen. Zunächst habe ich nach einem Kernmechanismus gesucht, den ich für innovativ hielt. Ein Spiel mit tollem Thema, aber beliebigen, uninspirierten Mechaniken überzeugt mich grundsätzlich weniger als ein Spiel mit starken Mechaniken, aber einem austauschbaren Thema. Im Idealfall kommt beides zusammen – wie bei Arche Nova, das nicht ohne Grund so erfolgreich ist.

Lars Ehresmann: Ausgehend von einem Schifffahrtsmechanismus entlang einer Wasserstraße und dem Ausbau verschiedener Bereiche lag es nahe, ein historisches Thema einzubinden. Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass sich der Vorgänger des Nordostseekanals – der Schleswig-Holsteinische Canal bzw. Eiderkanal – viel besser eignete. Während beim Bau des Nordostseekanals unter Bismarck militärische Überlegungen dominierten, diente der Eiderkanal noch dem Handel mit Segelschiffen.

Zur Rezension
Wir haben Kilia ausführlich getestet. Unser Fazit: „Das Brettspiel überzeugt als modernes, angenehm zügiges Euro-Spiel mit starkem Multi-Use-Kartenpuzzle und cleverem Schifffahrts-Einkommen – mit eher geringer Interaktion und etwas Auslagen-Glück.“
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Lars Ehresmann: Den zentralen Schifffahrtsmechanismus hatte ich bereits vor einigen Jahren für ein Vorgängerspiel entwickelt. Ab 2021 nutzte ich ihn dann für Kilia. Auf der SPIEL 2022 konnte ich das Spiel schließlich beim Huch Verlag vorstellen – ein bisschen Glück war auch im Spiel, da ich über einen befreundeten Autor den Kontakt zur Redaktion herstellen konnte. Kilia hat der Redaktion sofort gefallen, lag aber zunächst eine Weile auf Eis. Schließlich übernahm der erfahrene Redakteur Georg Wild das Projekt und hat es in enger Zusammenarbeit mit mir abgerundet. Er schlug vor, einige Mechanismen zu streichen, die ich ursprünglich für essenziell hielt. Da musste ich über meinen Schatten springen – und im Nachhinein hat es dem Spiel sehr gutgetan.

Lars Ehresmann: Der Kernmechanismus ist ein Drafting von Karten aus einer offenen Auslage. Diese Multi-Use-Karten besitzen unterschiedliche Rückseiten und können optional auf oder unter das eigene Triple-Layer-Brett gespielt werden. Da man pro Zug nur eine Karte wählt und anlegt, entsteht selbst in Vollbesetzung keine Downtime – was mir bei einem offenen Drafting sehr wichtig ist.

Die größte Besonderheit ist jedoch der Schifffahrtsmechanismus in der gemeinsamen Einkommensphase am Rundenende: Mit einem Schiff, das als Loch-Platte gestaltet ist, fährt man über den Kanal und entlang der Packhäuser. Das Einkommen ergibt sich aus dem, was im Loch der Karte sichtbar wird – und dieses wächst, je mehr man die eigene Werft ausbaut.

Zur Person:
Lars Ehresmann, Jahrgang 1976, stammt aus Kiel. Er studierte Geophysik an der Christian-Albrechts-Universität und bildete sich später zum Patentanwalt weiter. Heute lebt und arbeitet er in Haan. Kilia (Huch) ist sein erstes veröffentlichtes Brettspiel, ein weiteres soll Anfang 2026 bei Schmidt Spiele erscheinen.

Lars Ehresmann: Eigentlich alles außer Kinderspielen – meine Kinder sind inzwischen rausgewachsen. Während mir Spiele früher kaum komplex genug sein konnten, bevorzuge ich heute Kennerspiele. Das liegt auch an der Spielzeit: Unter der Woche treffe ich mich mit meinen Gruppen meist abends, da passt es besser, zwei Kennerspiele zu spielen als einen großen Expertenkracher. Zu meinen Favoriten gehören Auf den Spuren von Marco Polo, Rajas of the Ganges, 7 Wonders und ähnliche Titel. In genau diesem Komplexitätsbereich bewegt sich auch Kilia.

Lars Ehresmann: Ich werde am Stand von Huch (Halle 6, B-300) eher als Beobachter auftreten und bin natürlich gespannt, wie Kilia ankommt. Glücklicherweise liegt die Messe diesmal am Ende der NRW-Sommerferien – ein Wochenende früher wäre ich noch im Urlaub gewesen.

Title

In Kilia sind die Spieler aufstrebender Reeder, die sich in der Hafenmetropole Kiel einen Namen machen wollen. Sie weiten ihr Handelsnetz aus, bauen Schiffe, erlernen neue Fähigkeiten und sichern die Gunst einflussreicher Persönlichkeiten in der Stadt. Die Mehrzweckkarten in diesem historischen Strategiespiel können vielseitig eingesetzt werden – die Kunst liegt darin, sie im passenden Moment für den größten Vorteil zu nutzen. 

Autor: Lars Ehremann, Illustration: Stefan Sonnberger | Huch | 2025 | 2 bis 4 Personen | ab 14 Jahren | ca. 60 Minuten

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