Cities

In Cities plant und baut ihr euer eigenes Stadtviertel mit Parks, Wasser und Hochhäusern, um Aufträge und Stadtziele zu erfüllen. Wir haben das Städtebauspiel für Familien unter die Lupe genommen.

Cities

In Cities übernehmen wir die Rolle von Stadtplanerinnen und Stadtplanern, die ein lebendiges, modernes Stadtviertel erschaffen sollen. Ziel ist es, durch geschickte Planung von Bau-, Park- und Wasserflächen sowie dem Erfüllen unterschiedlichster Aufträge die Gunst des Stadtrats – und möglichst viele Siegpunkte – zu gewinnen. Mit dabei: doppelseitige Stadtentwicklungspläne, stapelbare bunte Gebäudeteile und ein variables Auftragskartensystem, das für ein hohes Maß an Abwechslung sorgt. Dabei richten sich die Spielzüge klar an Familien: zugänglich, aber mit genug taktischer Tiefe.

Zu Beginn wählen die Spielerinnen und Spieler eine von acht Weltmetropolen als Grundlage für ihre städtebaulichen Ambitionen – darunter Rio de Janeiro, Sydney oder Venedig. Die gewählte Stadt bringt besondere Entwicklungsziele mit sich, die alle am Tisch erfüllen können. Diese Ziele sind ein zentrales Element des Spiels: Wer sie zuerst erreicht, erhält die meisten Punkte. Gleichzeitig draftet man aber auch individuelle Auftragskarten, die private Bauziele definieren und eine asymmetrische Punktewertung ermöglichen. So steht man in jeder Runde vor Entscheidungen, die über kurzfristige Erfolge oder langfristige Strategien entscheiden.

In jeder Spielrunde stehen Auftragskarten, Stadtfelder (bestehend aus Park-, Wasser- und Baulandflächen), Plättchen und Gebäudeteile zur Auswahl. Wer am Zug ist, setzt eine seiner Spielfiguren auf eines dieser Elemente. Im Laufe von acht Runden sammelt man so das nötige Material, um sein Stadtviertel auszubauen. Die gesammelten Stadtfelder dockt man an sein wachsendes Viertel an, wobei Bauland nach Farbe sortiert bebaut werden muss – und das möglichst in die Höhe. Maximal vier Gebäudeteile lassen sich übereinander stapeln, was ein plastisches, fast schon modellbauartiges Gefühl auf dem Spieltisch erzeugt.

Die Runden sind übersichtlich, die Auswahl an Aktionen bleibt stets begrenzt

Was das Spiel besonders interessant macht, ist die Punktwertung: Neben den offen ausliegenden Stadtzielen und privaten Aufträgen bringen auch die gewählten Plättchen Wertungen ins Spiel. Wer etwa eine Karte zieht, die Punkte für besonders viele Parks in einer Reihe vergibt, muss sein bisheriges Layout vielleicht überdenken – oder nimmt sie der Konkurrenz weg, um deren Pläne zu durchkreuzen. In diesem subtilen Spielzugriff liegt viel Reiz. Die Dynamik entsteht nicht durch direkte Interaktion, sondern durch indirektes Blockieren und ein „Wettrennen“ um die besten Möglichkeiten auf dem Spielbrett.

Ein typischer Zug könnte so aussehen: Man wählt ein neues Stadtfeld mit vielversprechender Wasserfläche, um einen individuellen Auftrag zu erfüllen. Danach nimmt man ein passendes Plättchen, das eine besondere Wertung ermöglicht – zum Beispiel für angrenzende Gebäude bestimmter Höhe. Schließlich zieht man zwei Gebäudeteile in der passenden Farbe und setzt sie auf das neue Bauland. Mit etwas Glück ist damit ein Auftrag erfüllt, was sofortige Punkte einbringt – oder aber man platziert sich ideal für die nächste Runde. Wer möchte, kann auch bewusst Elemente nehmen, die anderen mehr nützen würden, um deren Fortschritt zu bremsen.

Besonders gelungen ist die Struktur des Spiels: Trotz der Vielzahl an Materialien (Plättchen, Karten, Stadtpläne, Gebäudeteile) läuft eine Partie sehr flüssig ab. Die Runden sind übersichtlich, die Auswahl an Aktionen bleibt stets begrenzt genug, um keine Überforderung aufkommen zu lassen. Gleichzeitig fordert Cities vorausschauendes Denken: Wie baue ich mein Viertel so, dass ich mehrere Ziele gleichzeitig erfüllen kann? Wo lohnt sich der Höhenbau? Und wann nehme ich lieber eine schwächere Karte, um einem Mitspieler eine starke zu verwehren?

Die Spieldauer von rund 45 Minuten fühlt sich genau richtig an. Zu zweit geht es sogar noch schneller – allerdings empfiehlt sich hier die Variante mit 3×5 Feldern und sieben Runden. In Vollbesetzung zu viert entfaltet Cities sein volles Potenzial: mehr Konkurrenz, mehr Wechselwirkungen, mehr Spannung um die besten Elemente auf dem Spielbrett.

Ein kleiner Kritikpunkt betrifft die Balance der Wertungskarten. Nach mehreren Partien zeigt sich, dass die individuell gedrafteten Auftragskarten häufig mehr Punkte bringen als die gemeinsamen Stadtziele. Wer hier geschickt auswählt und passend baut, kann sich oft einen entscheidenden Vorsprung erarbeiten – auch wenn man die allgemeinen Stadtziele fast vollständig ignoriert.

Unterm Strich ist Cities ein rundes, elegantes Spiel, das durch Materialqualität und zumindest am Anfang durch Wiederholungsreiz überzeugt. Wer gerne puzzelt, plant und optimiert – ohne in komplexe Eurogame-Welten abzutauchen – findet hier ein charmantes, zugängliches Städtebauspiel mit taktischem Anspruch.


Cities – Fazit unserer Rezension

Title

Cities schafft den Spagat zwischen zugänglichem Familienspiel und strategischem Anspruch, indem es einfache Regeln mit cleveren Entscheidungen und einem reizvollen Thema verbindet. Ein vielseitiges Städtebauspiel von Phil Walker-Harding.

Autoren: Phil Walker-Harding, Steve Finn | Kosmos | 2024 | 2 bis 4 Personen | ab 10 Jahren | bis 45 Minuten

Pro

  • gutes Material und flüssiger Ablauf
  • leichter Einstieg
  • hoher Wiederspielreiz nach den ersten Partien

Contra

  • fällt zu zweit stark ab
  • sinkender Wiederspielreiz nach einigen Partien

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).


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