Chandigarh

Als die indische Regierung Anfang der 1950er-Jahre den berühmten Architekten Le Corbusier beauftragte, eine völlig neue Hauptstadt für Punjab zu entwerfen, entstand Chandigarh – ein städtebauliches Experiment von weltweiter Strahlkraft. Dieses historische Vorhaben dient nun als thematischer Rahmen für das Brettspiel Chandigarh, in dem die Spielerinnen und Spieler selbst in die Rolle von Stadtplanern schlüpfen. Ziel ist es, die moderne Stadt zu errichten, Bauprojekte geschickt umzusetzen und dabei die meisten Prestige­punkte zu sammeln.

Die Spielfläche zeigt eine 4×4-Anordnung von Stadtsektoren. Jeder Sektor besteht aus mehreren Bauplätzen, die an Kreuzungen und Straßen angrenzen. Dort bewegen sich die Architektenfiguren der Spieler. Zu Beginn erhält jeder eine Projektkarte mit einem Bauplanmuster sowie zwei farbige Gebäude. Diese Karten sind der Motor des Spiels, denn sie bestimmen sowohl, wie weit sich der eigene Architekt pro Zug bewegen darf, als auch, welche Bauoptionen zur Verfügung stehen.

In einem Zug hat man zwei Hauptmöglichkeiten: Entweder man bewegt die Architektenfigur entlang der Straßenkreuzungen und errichtet angrenzend Gebäude aus dem eigenen Vorrat – oder man nimmt eine neue Projektkarte aus der Auslage. Gebäude platzieren klingt zunächst simpel, doch entscheidend ist, an welcher Kreuzung man anhält. Wer das letzte freie Feld eines Sektors bebaut, darf dort einen eigenen Aufseher einsetzen und sich so einen bleibenden Vorteil sichern.

Die Projektkarten spielen eine doppelte Rolle: Zum einen liefern sie neue Gebäude in den eigenen Vorrat, zum anderen lösen sie die Wertungen aus. Immer wenn man eine vierte Karte anlegt, wird automatisch die gegenüberliegende Karte der eigenen Reihe gewertet. Die aufgedruckten Muster bringen Punkte, sobald sie in der wachsenden Stadt nachgebildet werden – egal ob durch eigene oder fremde Gebäude. Dadurch entsteht ein cleveres Timing-Spiel: Welche Karte lege ich wo an, und wann ist der richtige Moment, um Punkte zu kassieren?

Zusätzlich bereichern Spezialisten das Geschehen. Sie starten in den Stadtecken und wechseln den Standort, sobald jemand ein Gebäude in ihrer Farbe errichtet. Wer sie für sich gewinnt, profitiert von besonderen Fähigkeiten, etwa zusätzlichen Punkten oder flexibleren Bauoptionen. So kommen im Verlauf individuelle Strategien ins Spiel.

Das Spannende an Chandigarh ist die Mischung aus langfristiger Planung und situativem Reagieren. Man möchte seine Projektmuster möglichst effizient erfüllen, muss aber zugleich die Züge der Mitspieler im Auge behalten: Oft sind es deren Gebäude, die einem die entscheidenden Punkte sichern. Der Wettstreit um Kreuzungen und die Verteilung der Aufseher sorgt für zusätzliche Spannung.

Optisch verändert sich Chandigarh im Spielverlauf stark – aus der zunächst biederen, noch leeren Plättchen-Optik entsteht bald ein sehr buntes Stadtbild, bei dem man die Übersicht behalten muss. Auch die Spieldauer zieht sich länger hin, als es der erste Eindruck vermuten lässt. Hinzu kommt ein spürbarer Glücksfaktor beim Nachziehen der Projektkarten: Mitunter erfüllt man eine Wertungsbedingung schon zufällig, ohne selbst aktiv darauf hingearbeitet zu haben. Damit liegt Chandigarh zwar deutlich über dem Anspruch eines klassischen Familienspiels, erreicht aber wegen dieser Glückslastigkeit nicht ganz die Tiefe eines reinen Strategiespiels. Das Spiel punktet vor allem durch das historische Setting einer Planstadt, die wir dann doch gerne und bestmöglich errichten möchten.


Chandigarh: Auf einen Blick

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Chandigarh ist ein Städtebau-Spiel, das die besondere Entstehungsgeschichte der indischen Planstadt in ein taktisches Puzzle überträgt. Wer Freude an Mustern, kluger Positionierung und der Interaktion mit den Mitspielern hat, findet hier reichlich Herausforderung.

Autor: Toni López | Strohmann Games | 2024 | 2 bis 4 Personen | ab 10 Jahren | bis 60 Minuten


Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 0 bis 4 Sternen. Spiele mit 0-1,5 Sternen sind sind schlecht, mit 2 bis 2,5 Sternen durchschnittlich. Ab 3 Sternen beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten 4 Sterne („Four-Star Game“).

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