Verdant

Verdant ist ein anspruchsvolles Puzzlespiel für Pflanzenfans. Der erfolgreiche Kickstarter stammt aus der Cascadia-Schmiede Flatout Games. Wir haben die englische Ausgabe gespielt und verraten euch, ob wir einen grünen Daumen besitzen.

Verdant Spiel
Verdant: komplexes Regelwerk mit vielen Feinheiten und Wertungsmöglichkeiten

Verdant heißt auf Deutsch so viel wie „sattgrün“, „üppig“ oder „fruchtbar“. Im gleichnamigen Puzzle-Kartenspiel für ein bis fünf Personen schlüpft ihr in die Rolle von Pflanzenliebhabern, die Zimmer mit passenden Grünpflanzen bestücken und arrangieren. Achtet dabei auf die Lichtbedingungen, um es den zarten Pflänzchen so gut wie möglich gehen zu lassen. Auch Pflanzenart und Dekoration eines Raums sind entscheidend, um am Ende die meisten Punkte zu erzielen.

Verdant: So wird es gespielt

In der Tischmitte von Verdant (Alderac) befindet sich ein gemeinsamer Markt in vier Spalten: In jeder Spalte liegen je eine Pflanzenkarte, eine Raumkarte und ein Token, auf dem verschiedene Deko-Elemente abgebildet sind. Alle Karten und Token gibt es in insgesamt fünf Farben.

Mit einer zufälligen Kombination aus Raum- und Pflanzenkarte von den Nachziehstapeln beginnt jede:r das Spiel. Die platziert ihr angrenzend zueinander vor euch. Im Laufe einer Partie baut ihr ein Raster von fünf mal drei Karten auf, wobei niemals zwei Raumkarten oder zwei Pflanzenkarten nebeneinander liegen dürfen.

Wer am Zug ist, wählt aus der Tischmitte genau eine Raum- oder Pflanzenkarte sowie das Token aus der entsprechenden Spalte und baut beide in seine persönliche Auslage ein. Worauf müsst ihr dabei achten?

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Jede Raumkarte gibt für alle vier Himmelsrichtungen Lichtverhältnisse vor: sonnig, halbschattig oder schattig. Die entsprechenden Anforderungen der Pflanzen seht ihr auf jeder Pflanzenkarte. Manche vertragen nur eine Lichtart, zum Beispiel sonnig, manche bevorzugen auch zwei Lichtarten wie sonnig und halbschattig. Andere sind pflegeleicht und können in jedem Licht wachsen. Sobald eine platzierte Karte mit den passenden Sonneneinstrahlungen an eine Raumkarte grenzt, erhält diese Pflanze ein kleines grünes Blättertoken aus Holz.

Auf jeder Pflanzenkarte steht oben rechts in der Ecke in dem grünen Blatt eine Zahl. So viele Blättertoken braucht diese Pflanze, um zu punkten. Sobald die Zahl erreicht ist, werden alle Blätterkarten von dieser Karte entfernt und die Pflanze bekommt einen Blumentopf. Dieser gibt am Ende des Spiels zusätzliche Bonuspunkte. Anfangs stehen noch Blumentöpfe mit 3 Punkten bereit – falls die verbraucht sind, nimmt man sich einen mit 2 Punkten, später die 1-Punkte-Töpfe. Danach kann man zwar eine Pflanze noch umtopfen, aber Boni gibt es dafür keine mehr.

Die Lichtverhältnisse einzuhalten, ist nicht euer einziges Problem. Bestenfalls liegen Pflanzen und Räume derselben Farbe nebeneinander. Dann gibt es Extrapunkte. Hier die meisten Punkte zu holen, ist sehr herausfordernd. Denn einerseits gibt es viele Punkte für die gleichen Pflanzenarten (z.B. alle gelben) und andererseits sammelt ihr Extrapunkte, wenn ihr möglichst alle verschiedenen Pflanzenarten in euren Räumen unterbringen konntet. Auch für die Raumdekorationen (Katze, Hund, Sofa, Tisch, Vogel, Fischglas, Lampe, Regal), die ihr beim Einbau auf der Karte platziert habt, bekommt ihr am Spielende Punkte – vor allem dann, wenn die Farbe des Deko-Tokens zur Raumfarbe passt.

Mit Dünger und Bewässerung schneller punkten

Im Sack, aus dem ihr die Deko-Token ziehet, sind auch Hilfsmittel enthalten, mit denen du deine Pflänzchen hegst und pflegst. Dabei gibt es drei Arten: Mit dem Dünger kannst du eine beliebige Pflanze mit einem dunkelgrünen 3-Punkte-Blatt bestücken. Die Gießkanne gießt alle Pflanzen angrenzend an diesen Raum und sie erhalten ein kleines Blätter-Token. Und mit der Handkelle darfst du auf drei beliebige Pflanzen je ein kleines Blätter-Token legen.

Erwähnenswert sind noch die Grüne-Daumen-Token, die man im Laufe des Spiels einsammeln kann. Sie funktionieren wie die Tannenzapfen bei Cascadia: Durch den Einsatz solcher Token könnt ihr als Bonusaktion die Auswahl der Karten im Markt beeinflussen oder eine bestimmte Anzahl an Karten aus dem Markt entfernen und neu nachziehen lassen.

Verdant: passende Lichtverhältnisse für die Pflanzen
Alle drei Pflanzenkarten grenzen passend an den gelben Raum und seine Lichtverhältnisse.

Verdant: Fazit und Wertung

Verdant (Flatout Games) sieht einfach klasse aus. Die gezeichneten und mit Infotexten versehenen Pflanzenkarten erinnern nicht zufällig an Flügelschlag (wenn auch mit Pflanzen statt mit Vögeln): Die Illustratorin Beth Sobel hat wieder ganze Arbeit geleistet und ein stimmungsvolles Design auf den Spieltisch gezaubert. Das allein macht Lust auf die erste Partie, zumal der Zugmechanismus an einen anderen Flatout-Hit erinnert: das Spiel des Jahres 2022 Cascadia.

Doch ganz so fluffig kommen Neulinge diesmal nicht rein ins Spiel. Die Eleganz von Cascadia ist einem komplexen Regelwerk mit vielen Feinheiten und Wertungsmöglichkeiten gewichen, die beachtet werden wollen. Lichtverhältnisse, Farben und Dekorationen verlangen nach gestalterischer Perfektion, die praktisch unerreichbar bleibt. Man kann immer nur den Versuch einer guten Punktzahl starten, eine perfekte Lösung gibt es nicht. Etwas Glück oder Pech beim Nachziehen der Marktarten gehören dazu.

Tipp: Zunächst ein paar Proberunden spielen

Nicht nur dieses Elefantenohr, sondern alle 124 Pflanzenkarten sind wunderschön illustriert.

Zwar frickelt jeder an seinem eigenen Kartenraster, aber durch die gemeinsame Auslage gibt es die Interaktion miteinander und man schnappt schon mal dem folgenden Spieler oder der Spielerin die passende Karte weg.

Die (englische) Anleitung ist gut strukturiert und gibt einen Überblick über alle Möglichkeiten, so dass ihr euch zunächst ein bis zwei Proberunden zum Einstieg gönnen solltet. Danach sind weitere Runden problemlos möglich und bieten langanhaltenden Spielspaß. Zumal Erweiterungskarten enthalten sind, die dem Spiel noch mehr Tiefe geben und die Köpfe der Pflanzenfans am Tisch zum Rauchen bringen.

Sehr erfahrene Brettspieler:innen ab 10 Jahren (sonst: eher ab 12) können loslegen und Pflanzen züchten – oder alle, denen Cascadia auf Dauer zu eintönig geworden ist. Aber ist das überhaupt möglich?


Verdant – Spiel auf einen Blick | 8.5

Hübsch anzusehen und mit viel Spieltiefe: Verdant ist eine ruhige Puzzlei für Fans des Genres. Wer Blümchen züchten möchte und nach Cascadia mehr Komplexität sucht, ist hier genau richtig.

Autor:innen: Molly Johnson, Robert Melvin, Aaron Mesburne, Kevin Russ, Shawn Stankewich | Illustration: Beth Sobel | AEG, Flatout Games | 2022 | 1 bis 5 Personen | ab 10 Jahren | 40 Minuten

Pro

  • anspruchsvolles Puzzle mit vielfältigen Wertungen
  • gut ausgearbeitetes Regelwerk, das Spielfreude bringt
  • hervorragende Illustrationen von Beth Sobel („Flügelschlag“) mit liebevoller Beschreibung der 124 verschiedenen Pflanzen
  • Erweiterung durch Bonuskarten schon im Spiel inbegriffen

Contra

  • Brettspiel-Einsteiger könnten überfordert sein
  • leider zurzeit nur auf Englisch

Hinweis: Wertungen vergeben wir im Bereich 1 bis 10 Punkte. Spiele mit 1 bis 3 Punkten sind schlecht, mit 4 bis 6 Punkten durchschnittlich. Ab 7 Punkten beginnen die empfehlenswerten Spiele. Nur außergewöhnliche Titel erhalten Wertungen ab 9 Punkten. Für diese Besprechung stand uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar des Verlags zur Verfügung. Auf den Inhalt unseres Tests hatte dies keinen Einfluss.


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